KALENDERARCHIV / 2005
Bergbaukalender 2005 – Georgius Agricola
Der 12. Original Sächsische Bergbaukalender widmet sich Georgius Agricola und seiner Zeit. Zum 450. Todestag des Gelehrten verbindet der Jahrgang 2005 historische Dokumente aus sächsischen Staatsarchiven mit Fotografien aus dem Bergbau. Bergrecht, Grubenrechnungen, alte Risse, Medizin und Erzverhüttung eröffnen unterschiedliche Zugänge zur sächsischen Montangeschichte.
Seit 1994 gestaltet René König den Original Sächsischen Bergbaukalender als Wandkalender. Diese Archivseite zeigt den vollständigen Jahrgang 2005: das Titelblatt, den Vorsatz, zwölf Monatsblätter und das abschließende Erläuterungsblatt. Die Beschreibungen unter den Bildern erschließen die Motive und ihre historischen Bezüge.
12. Ausgabe · 15 Kalenderblätter · Gestaltung: René König

Titelblatt · 2005
Georgius Agricola und seine Zeit
Das Titelblatt kombiniert Agricolas Porträt mit einem historischen Grubenriss und einer Aufnahme aus dem Gideon Stolln bei Großolbersdorf. Der historische Grund- und Seigerriss der Gruben Heilige Kreuz und Hohe Tanne bei St. Joachimsthal erschließt ältere Bergbauverhältnisse bis zurück in Agricolas Zeit. Das Bild verbindet damit den Gelehrten, schriftliche Überlieferung und die erhaltenen Spuren unter Tage.

Vorsatz · 2005
Einführung in den Jahrgang 2005
Das vollständige Vorsatzblatt führt in das Jahresthema ein und stellt die beteiligten sächsischen Staatsarchive vor.
GEORGIUS AGRICOLA
1494–1555
Georgius Agricola und seine Zeit Kostbarkeiten aus sächsischen Staatsarchiven
Zum 450. Todestag von Dr. Georgius Agricola (* 24. März 1494 in Glauchau, † 21. November 1555 in Chemnitz) widmet sich der Bergbaukalender 2005 dem sächsischen Montanwesen der Agricolazeit. Die Monatsbilder bieten diesmal Kostbarkeiten aus sächsischen Staatsarchiven – einzigartige zeitgenössische Dokumente, die den erzgebirgischen Bergbau des 16. Jahrhunderts illustrieren. Sie stehen für die Themen Bergrecht, Bergverwaltung und landesherrliches Bergregal (Januar, August, November), die Entwicklung der Bergbaulandschaft (Oktober), bergmännisches Rechnungswesen, Maße und Gewichte (März, September), Bergbau auf Eisen und die Erzverhüttung (Februar, Dezember), Bergbau auf Kohle (April), Zinn (Mai) und Silber (Juli). Mit all diesen Aspekten hat sich auch der berühmte sächsische Humanist, Philologe und Montanwissenschaftler Agricola in seinen Schriften, etwa dem „Bermannus“ („Gespräch vom Bergbau“, 1530), in „De mensuris quibus intervalla metimur liber“ („Über unsere Längenmaße“, 1550) und in seinem Hauptwerk „De re metallica libri XII“ („Über das Berg- und Hüttenwesen“, 1550/1556) befasst – neben seiner weiteren Profession, der Medizin, die er als Bürgermeister und Stadtphysikus in Chemnitz sowie zuvor schon in Jáchymov (St. Joachimsthal) praktizierte (Juni).
Die sächsischen Staatsarchive verwahren und erhalten Schrift-, Bild- und Tonzeugnisse aus 1 000 Jahren Landesgeschichte. Sie bewerten laufend die neu entstehenden Unterlagen der Landesbehörden und Gerichte und entscheiden über deren dauernde Aufbewahrung. Archivwürdige Dokumente werden in den sächsischen Staatsarchiven gesichert, geordnet, erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Indem die Staatsarchive selbst zur Forschungs- und Bildungsarbeit beitragen, gewährleisten sie die langfristige Bewahrung des kulturellen Erbes Sachsens.
Die reichhaltigen Bestände der sächsischen Staatsarchive bieten vielfältiges Dokumentationsmaterial zur Geschichte des sächsischen Bergbau- und Hüttenwesens. Urkunden, Akten, Amtsbücher, Karten und Risse bilden die zentrale Quellengrundlage zur montanhistorischen Erforschung Sachsens im regionalen, nationalen und internationalen Kontext. Das Bergarchiv in Freiberg als einzigartiges Spezialarchiv für die Montanüberlieferung nimmt hier eine besondere Stellung ein. Nähere Informationen über die sächsischen Staatsarchive, ihre Bestände und Nutzungsmöglichkeiten finden sich unter www.sachsen.de/archiv.
Sächsisches Staatsarchiv Chemnitz
Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
Sächsisches Bergarchiv Freiberg
12. Original Sächsischer Bergbaukalender

Januar · 2005
Bergregal, Bergrecht und Bergverwaltung
Die abgebildete Abschrift des 18. Jahrhunderts überliefert die Vereinbarung vom 15. Juli 1529 zwischen den Herren von Schönburg und Herzog Georg von Sachsen. Sie regelte die gemeinsame Verwaltung und Rechtsprechung im Bergwesen sowie die Aufteilung der Erträge. Das Dokument steht für die Auseinandersetzung um landesherrliche Bergrechte im Umfeld des zweiten Berggeschreys. Die Fotografie zeigt die Grube Alte Hoffnung Gottes bei Scheibenberg.

Februar · 2005
Eisengewinnung und Erzverhüttung
Eine nach 1528 entstandene Augenscheinkarte dokumentiert den Streit um die Nutzung des Mittweidabaches bei Markersbach. Sie zeigt einen Eisenhammer mit Wohnhaus, Pochwerk, Hammerhütte, Holzkohlenschuppen und weiteren Betriebsgebäuden. Der historische Zusammenhang von Wasser, Energie und Eisenverarbeitung tritt so anschaulich hervor. Die untertägige Fotografie stammt aus der Grube Elisabeth bei Boden nahe Marienberg.

März · 2005
Rechnungswesen, Maße und Gewichte
Das Holzschnittfrontispiz eines 1594 bei Georg Hoffmann in Freiberg gedruckten Bandes zeigt bergmännische Arbeiten. Der Band enthält die seit 1529 vierteljährlich erstellten Übersichten zur Ausbeute von Freiberger Gruben. Das Monatsblatt führt damit zu den schriftlichen Grundlagen der wirtschaftlichen Kontrolle im Bergbau. Die Aufnahme unter Tage entstand in St. Merten bei Brand-Erbisdorf.

April · 2005
Früher Steinkohlenbergbau bei Zwickau
Eine Aufstellung des Schössers Christoff Buchner von 1549 verzeichnet den Zehnten auf Fuder Kohlen. Sie gehört zur frühen Geschichte der Zwickauer Reiheladung: Vereinbarungen regelten Reihenfolge, Abgaben und Mengen des Kohlenverkaufs. Die Fotografie zeigt ein an der Zwickauer Mulde bei Cainsdorf ausstreichendes Kohleflöz – dort tritt die kohleführende Schicht an die Oberfläche. Das gezeigte Dokument ist eine Abschrift des 17. Jahrhunderts.

Mai · 2005
Der Goldpunktriss und der Zinnerzabbau
Der um 1574 entstandene Goldpunktriss gilt nach den Kalendererläuterungen als älteste Darstellung der Zinngruben im Altenberger Zwitterstock. Die an den Eckpunkten der Grenzlinien zu setzenden Lochortsteine sind in Goldfarbe eingetragen. Neben Tagesschächten und Göpeln sind Wasseranlagen und Teile der untertägigen Situation dargestellt. Die Fotografie führt in den Bereich Vereinigt Feld/Peptopf in Altenberg und ergänzt das historische Kartenbild um eine Ansicht des Grubenraums.

Juni · 2005
Agricola als Arzt
Ein eigenhändiger lateinischer Brief Agricolas an Bischof Julius Pflug vom 11. August 1547 erinnert an seine Tätigkeit als Arzt. Darin berichtet er über einen erkrankten Leipziger Studenten, den er offenbar in Chemnitz behandelte. Den Brief begleitet ein Kupferstich aus Johann Friedrich Henckels Werk „Von der Bergsucht“ von 1728. Das Bild verweist auf die medizinische Beschäftigung mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bergleute.

Juli · 2005
Silber, Wismut, Kupfer und Kobalt
Ein Rezessbuch aus Schneeberg dokumentiert die Abrechnung und Verwaltung der Gruben. Solche Verzeichnisse hielten Einnahmen, Ausgaben, Erzvorräte und die von den Gewerken zu leistende Zubuße fest. Die Einträge sind damit Quellen zur Montan- und Wirtschaftsgeschichte. Das Monatsblatt verbindet die aufgeschlagene Rechnung mit einer Aufnahme der Radstube von St. Anna am Freudenstein in Zschorlau bei Schneeberg.

August · 2005
Der Thelersberger Stolln
Der Grund- und Seigerriss von 1743 zeigt den Thelersberger Stolln und seinen Durchbruch auf den Freundliche Bergmänner Stehenden. Der Stolln entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte zu einem wichtigen Wasserlösungsstolln des Brander Reviers. Die historische Zeichnung macht die räumliche Erschließung der Gruben nachvollziehbar; die Fotografie zeigt den Thelersberger Stolln bei Linda nahe Brand-Erbisdorf.

September · 2005
Zehntrechnung und bergmännische Finanzen
Das Blatt zeigt eine Rechnung des kurfürstlichen Zehntners Hans Unwerdt für das Quartal von Reminiscere bis Trinitatis 1558. Die Aufzeichnungen betreffen Einkünfte aus dem Berg- und Hüttenwesen und ihre Aufteilung zwischen den beteiligten Landesherren. Sie veranschaulichen, wie eng Rohstoffgewinnung und Finanzverwaltung zusammenhingen. Die Fotografie stammt aus St. Briccius bei Königswalde nahe Annaberg-Buchholz.

Oktober · 2005
Die historische Bergbaulandschaft um Marienberg
Eine undatierte Karte der Waldungen südlich von Marienberg steht im Zusammenhang mit der Landesaufnahme unter Kurfürst August von Sachsen. Sie zeigt unter anderem das Gebiet um Pobershau, Kühnhaide, Reitzenhain, Satzung und Jöhstadt. Wald, Gewässer und bergbauliche Anlagen erscheinen als zusammengehörige Landschaft. Die Fotografie zeigt ein in den Fels gearbeitetes Zeichen mit der Jahreszahl 1565 in der Grube Festenburg bei Pobershau.

November · 2005
Die Annaberger Bergordnung
Die Annaberger Bergordnung wurde 1509 durch den Leipziger Buchdrucker Melchior Lotter den Älteren veröffentlicht. Das abgebildete Exemplar trägt handschriftliche Ergänzungen Herzog Georgs des Bärtigen. Es dokumentiert die Verbreitung und praktische Anwendung bergrechtlicher Regeln. Dazu tritt die plastische Darstellung eines arbeitenden Bergmanns an der Bergmannskanzel in der St. Annenkirche zu Annaberg-Buchholz.

Dezember · 2005
Erzverhüttung und alchemistische Bildwelt
Ein 1556 eigenhändig niedergeschriebenes Manual Kurfürst Augusts von Sachsen dokumentiert Versuche zur Erzverhüttung in einem Schmelzhaus beim Dresdner Schloss. Die ergänzende Zeichnung eines alchemistischen Ofens in Gestalt eines Drachen entstand nach den Kalendererläuterungen um 1577/78; ihr Urheber ist unbekannt. Das Monatsblatt verbindet praktische Schmelzversuche mit der symbolischen Bildsprache frühneuzeitlicher Alchemie.

Erläuterungen · 2005
Bildnachweise und Originalimpressum
Das abschließende Blatt erläutert die historischen Dokumente und nennt die Orte der Fotografien. Es enthält außerdem Angaben zu den beteiligten Staatsarchiven sowie das Impressum der damaligen Ausgabe. Als Bestandteil des vollständigen Jahrgangs bleibt auch dieses Blatt im Archiv sichtbar. Seine historischen Kontaktdaten und Ankündigungen sind keine aktuellen Besucher- oder Serviceinformationen.