Steinkohle trieb Sachsens Industrialisierung an, doch sie wurde nicht in einem einzigen zusammenhängenden Revier gewonnen. Zwickau, Lugau-Oelsnitz und das Döhlener Becken bei Freital besaßen geologisch und historisch eigenständige Lagerstätten. Dampfmaschinen, Eisenbahnen und später mechanisierte Gewinnung ermöglichten immer tiefere Gruben; zugleich blieben Schlagwetter, Brände, Gebirgsdruck und Staub lebensgefährlich. Der letzte sächsische Steinkohlenbergbau endete 1978. Seine Spuren reichen bis in die Gegenwart: Fördergerüste und Museen erinnern an die Arbeit, während gesicherte Schächte, Senkungsgebiete und Grubenwasser dauerhaft überwacht werden müssen.
Getrennte Becken statt eines durchgehenden Kohlefeldes

Steinkohle entstand aus pflanzlichem Material, das unter Luftabschluss abgelagert und durch Druck sowie Temperatur über geologische Zeiträume inkohlt wurde. Ein Flöz ist eine schichtförmige Lagerstätte; Verwerfungen können solche Schichten gegeneinander versetzen. Im Zwickauer und im Lugau-Oelsnitzer Revier liegen die wirtschaftlich genutzten Kohlen vor allem in oberkarbonischen Schichten. Die Kohlen des Döhlener Beckens gehören dagegen zu jüngeren, unterpermischen Ablagerungen. „Steinkohle“ bezeichnet damit nicht einfach ein einziges geologisches Alter.
Zwischen Zwickau und Lugau-Oelsnitz liegt eine flözleere Zone. Beide Reviere dürfen deshalb trotz ihrer Nachbarschaft nicht als ein durchgehendes Kohlenfeld verstanden werden. Kleinere Vorkommen wurden unter anderem bei Hainichen-Ebersdorf und Doberlug-Kirchhain untersucht oder zeitweise abgebaut, erreichten aber nicht die langfristige Bedeutung der drei Hauptgebiete.
Vom oberflächennahen Abbau zur Industrie

Für Zwickau ist die Verwendung von Steinkohle seit 1348 urkundlich belegt. Zunächst ließ sich Kohle dort gewinnen, wo Flöze nahe an die Oberfläche traten. Ein grundlegender Wandel setzte im 19. Jahrhundert ein: Dampfmaschinen hoben Wasser und Fördergut, tiefere Schächte erschlossen neue Baufelder, und Eisenbahnen verbanden die Gruben mit Fabriken und Städten. Kohle wurde zum Brennstoff für Maschinen, Eisen- und Stahlindustrie, Gaswerke, Haushalte und Verkehr.
Im Lugau-Oelsnitzer Gebiet gilt der Fund eines bauwürdigen Flözes bei Neuoelsnitz am 7. Januar 1844 als Ausgangspunkt des Reviers. Um 1900 bestanden dort etwa 30 wirtschaftlich wichtige Schächte. Auch das Döhlener Becken entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem industriellen Bergbaugebiet. Zechen, Kokereien, Halden, Werkbahnen und Arbeitersiedlungen veränderten Landschaft und Bevölkerungsstruktur dauerhaft.
Die Hauptreviere und ihre Technik

| Revier | Historische Einordnung | Ende der Kohlenförderung |
|---|---|---|
| Zwickau | seit 1348 belegt; großindustrieller Tiefbau im 19. und 20. Jahrhundert | 1978 |
| Lugau-Oelsnitz | Beginn 1844; Ausbau großer Schachtanlagen, insgesamt rund 142 Millionen Tonnen Förderung | 31. März 1971 |
| Döhlener Becken / Freital | ältere Anfänge; industrieller Tiefbau vor allem seit dem 19. Jahrhundert | 1967 |
Trotz gemeinsamer Grundaufgaben unterschieden sich die Betriebe nach Lagerstätte und Zeit. Schächte dienten der Förderung, Seilfahrt und Bewetterung; unter Tage führten Strecken zu den Abbaufeldern. Die Bewetterung versorgte die Grube mit Frischluft und führte Gase, Wärme und Staub ab. Im 20. Jahrhundert ersetzten Stahlausbau, Kohlenhobel oder Schneidmaschinen und Kettenförderer zunehmend Handarbeit. Diese Mechanisierung erhöhte die Leistung, beseitigte aber weder schwierige Flözlagen noch Gebirgsdruck und Explosionsgefahr.
Im Döhlener Becken folgte auf den klassischen Kohlenbergbau teilweise Uranerzgewinnung der Wismut. Sie gehört zur Geschichte desselben Raumes, ist aber fachlich vom gewöhnlichen Steinkohlenabbau zu unterscheiden.
Arbeit, Risiken und Grubensicherheit

Unter Tage drohten Stein- und Kohlenfall, einbrechendes Wasser, Brände, Maschinenunfälle und gesundheitsschädlicher Staub. Besonders gefürchtet war Schlagwetter: ein zündfähiges Gemisch aus Methan und Luft. Aufgewirbelter Kohlenstaub konnte Explosionen zusätzlich verstärken. Verbesserte Bewetterung, Sicherheitslampen, Staubbekämpfung, Messgeräte, getrennte Fluchtwege und ausgebildete Grubenwehren verringerten Risiken, konnten sie jedoch nicht vollständig ausschließen.
Die Katastrophen gehören ohne Beschönigung zur Geschichte. Bei der Schlagwetterexplosion im Burgker Segen-Gottes- und Neuhoffnungsschacht am 2. August 1869 starben 276 Bergleute. Im Zwickauer Karl-Marx-Werk kamen am 22. Februar 1960 durch Explosionen und Folgebrände 123 Menschen ums Leben. Spätere Untersuchungen konnten den genauen Ausgangsbereich eingrenzen, nicht aber eine unbestrittene Ursache feststellen. Erinnerung muss deshalb belegte Tatsachen von Vermutungen trennen und die Opfer, Angehörigen sowie Rettungsmannschaften in den Mittelpunkt stellen.
Stilllegung, Nachbergbau und Erinnerung

Die Einstellung des sächsischen Steinkohlenbergbaus erfolgte nicht an einem einzigen Tag. Erschöpfte oder schwer gewinnbare Vorräte, hohe Kosten und staatliche Entscheidungen wirkten je nach Revier unterschiedlich zusammen. Betriebe wurden geschlossen, Bergleute umgesetzt oder umgeschult, und Teile der Tagesanlagen verschwanden. Zugleich entstanden neue industrielle Nutzungen auf ehemaligen Zechengeländen.
Stilllegung bedeutet nicht das Ende aller bergbaulichen Aufgaben. Alte Schächte müssen verwahrt, Senkungsbereiche beobachtet und Wasserwege kontrolliert werden. In der Bockwaer Senke bei Zwickau erfordern bergbaubedingte Geländeabsenkungen beispielsweise eine dauerhafte Wasserhaltung. Erhaltene Anlagen vermitteln dagegen Technik- und Sozialgeschichte: Die KohleWelt Oelsnitz nutzt die frühere Schachtanlage, das Museum Schloss Burgk in Freital erschließt historische Bergbauräume. Es handelt sich um Museen beziehungsweise Besucheranlagen, nicht um aktive Steinkohlenbergwerke.
Damit bleibt der sächsische Steinkohlenbergbau zugleich Industriegeschichte, Erinnerungskultur und eine gegenwärtige technische Aufgabe. Bergbaukalender.de dokumentiert diese Zusammenhänge sachlich und mit Blick auf die Menschen, die sie geprägt haben.
Häufige Fragen
Gibt es in Sachsen noch aktive Steinkohlenbergwerke?
Nein. Die Förderung endete im Döhlener Becken 1967, in Lugau-Oelsnitz 1971 und im Zwickauer Revier 1978. Museen und technische Denkmale sind keine aktiven Gewinnungsbetriebe.
Was unterscheidet Steinkohle von Braunkohle?
Steinkohle besitzt im Allgemeinen einen höheren Inkohlungsgrad, mehr Kohlenstoff und weniger Wasser als Braunkohle. In Sachsen wurde Steinkohle überwiegend unter Tage gewonnen; Braunkohle wird heute vor allem in Großtagebauen abgebaut.
Waren Zwickau und Lugau-Oelsnitz ein gemeinsames Kohlenfeld?
Nein. Die benachbarten Reviere sind durch eine flözleere Zone getrennt und unterscheiden sich in geologischem Aufbau und Erschließungsgeschichte.
Welche Folgen bleiben nach der Stilllegung?
Dazu zählen gesicherte Schächte, Halden, mögliche Senkungen, veränderte Wasserwege und die langfristige Überwachung von Grubenwasser. Daneben bestehen Denkmale, Archive und Museen als Quellen der Erinnerung und Forschung.
Quellen
- Sächsisches Staatsarchiv: Beständeübersicht Steinkohlenbergbau
- Sächsisches Staatsarchiv: VVB Steinkohle Zwickau
- Sächsisches Staatsarchiv: Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenbauverein
- KohleWelt Oelsnitz/Erzgebirge: Geschichte der Schachtanlage und des Reviers
- Städtische Sammlungen Freital: Besucherbergwerk und Burgker Bergbau
- Freistaat Sachsen: Ehemaliges Steinkohlenrevier Lugau-Oelsnitz-Zwickau
- Sächsische Staatsregierung: Bergbaufolgen und Wasserhaltung in der Bockwaer Senke
- Deutsches Bergbau-Museum Bochum: Zur Aufarbeitung der Zwickauer Grubenkatastrophe von 1960
Alle Onlinequellen abgerufen am 8. September 2026.