Braunkohlenbergbau in der Lausitz
Der Braunkohlenbergbau in der Lausitz entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert von kleinen Gruben zu einem großtechnischen Tagebaurevier. Er lieferte Brennstoff für Fabriken, Haushalte und später vor allem Kraftwerke, schuf Arbeitsplätze und veränderte zugleich Landschaft, Wasserhaushalt und Siedlungsstruktur tiefgreifend. Der Beitrag ordnet die Lagerstätten in Nieder- und Oberlausitz ein, erklärt die typische Fördertechnik und unterscheidet zwischen historischem DDR-Bergbau, heute aktiven Tagebauen und der Sanierung stillgelegter Flächen. Stand der Angaben zum laufenden Betrieb ist September 2026.
Entstehung der Flöze und frühe Förderung

Die Braunkohle der Lausitz entstand überwiegend im Miozän, einem Abschnitt der Erdgeschichte vor mehreren Millionen Jahren. In ausgedehnten Moorlandschaften sammelten sich Pflanzenreste, die unter Luftabschluss, Druck und chemischer Umwandlung zu Kohle wurden. Spätere Sande, Schluffe und eiszeitliche Ablagerungen überdeckten die Flöze. In Niederlausitz und nördlicher Oberlausitz wurden besonders das 1. und 2. Lausitzer Flöz genutzt. Nach Angaben des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege liegen diese Lagerstätten häufig in etwa 35 bis 120 Metern Tiefe.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Braunkohle zunächst mit Handarbeit in kleinen Tagebauen und teilweise im Tiefbau gewonnen. Die Abbaustellen folgten oberflächennahen Vorkommen. Wegen des hohen Wassergehalts und des gegenüber Steinkohle geringeren Heizwerts lohnten lange Transporte kaum; Verarbeitung und Verbrauch konzentrierten sich deshalb in der Region.
Vom Brennstoff zur Industriegrundlage

Mit Industrialisierung, Eisenbahnbau und der Herstellung von Braunkohlenbriketts stieg die Nachfrage. Pressen verdichteten die zuvor getrocknete Rohkohle zu einem besser transportierbaren und gleichmäßiger brennenden Brennstoff. Gruben, Brikettfabriken, Kraftwerke und Werkbahnen bildeten zunehmend zusammenhängende Produktionsketten. Orte wie Lauchhammer, Senftenberg, Hoyerswerda, Weißwasser und Cottbus wurden auf unterschiedliche Weise vom Revier geprägt.
Im 20. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt vollständig auf den Tagebau. Pumpen senkten das Grundwasser ab, Bagger lösten Deckgebirge und Kohle, Züge und später Bandanlagen übernahmen den Transport. Die Rohkohle wurde in nahe gelegenen Kraftwerken verstromt oder in Veredlungsbetrieben weiterverarbeitet. Die räumliche Nähe war technisch und wirtschaftlich wichtig, weil Lausitzer Rohbraunkohle viel Wasser enthält.
Großtagebau und Fördertechnik

Ein Tagebau kann nur arbeiten, wenn das über der Kohle liegende Material – der Abraum – entfernt wird. In der Lausitz kamen dafür Eimerketten- und Schaufelradbagger, kilometerlange Förderbänder, Absetzer sowie Abraumförderbrücken zum Einsatz. Förderbrücken transportieren gelöstes Deckgebirge quer über die Grube und verkippen es auf der bereits ausgekohlten Seite. Die größten Anlagen der Bauart F60 wurden zu technischen Wahrzeichen des Reviers.
Das Verfahren folgt meist einer festen räumlichen Abfolge: Entwässerung und Vorfeldberäumung, Abtragen der oberen Schichten, Freilegen des Flözes, Kohlegewinnung und Verkippung. Anschließend werden Böschungen gesichert und Flächen für Wald, Landwirtschaft, Naturschutz, Gewerbe oder Gewässer vorbereitet. Die Dimensionen der Maschinen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Betrieb von Vermessung, Geotechnik, Wasserwirtschaft, Instandhaltung und zahlreichen spezialisierten Berufen abhängt.
Dörfer, Arbeit und Landschaft

In der DDR wurde die Braunkohle zu einer zentralen Säule der Energieversorgung. Der Ausbau großer Tagebaue und Kraftwerkskombinate bot vielen Menschen Beschäftigung, Ausbildung und soziale Sicherheit. Gleichzeitig wurden erhebliche Belastungen in Kauf genommen: Staub und Lärm, Grundwasserabsenkung, Verlust von Böden und Biotopen sowie die Verlegung von Straßen, Gewässern und Siedlungen.
Für abgebaggerte Orte bedeutete Bergbau nicht nur den Verlust einzelner Gebäude, sondern den Bruch gewachsener Nachbarschaften, Friedhöfe und Erinnerungsräume. In der zweisprachigen Lausitz betraf dies auch sorbische beziehungsweise wendische Kultur. Umsiedlungen verliefen je nach Zeit, Ort und politischem System unterschiedlich; sie sollten deshalb weder pauschalisiert noch allein als technische Begleiterscheinung beschrieben werden. Zur Geschichte des Reviers gehören sowohl die Leistungen der Beschäftigten als auch die Erfahrungen der betroffenen Dorfgemeinschaften.
Sanierung, aktive Tagebaue und Strukturwandel

Nach 1990 wurden zahlreiche nicht mehr wirtschaftliche Betriebe stillgelegt. Die bundeseigene LMBV übernahm große Teile der Sicherung und Sanierung des stillgelegten DDR-Bergbaus. Dazu gehören die Stabilisierung locker gelagerter Kippen, Altlastenbehandlung, Grundwassersteuerung, Flutung von Restlöchern und langfristige Verbesserung der Wasserqualität. Das Lausitzer Seenland ist ein weithin sichtbares Ergebnis dieses Umbaus, doch nicht jede Fläche ist bereits gefahrlos oder endgültig entwickelt.
Im September 2026 gelten Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde als aktive Lausitzer Braunkohlentagebaue. Die Förderung in Jänschwalde endete im Dezember 2023, in Cottbus-Nord bereits im Dezember 2015. Für Welzow-Süd kündigte der Betreiber Anfang 2026 ein geplantes Förderende 2030 an; berg- und landesplanerische Verfahren bleiben dabei vom jeweiligen Genehmigungsstand abhängig. Der gesetzliche Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ist spätestens für 2038 vorgesehen.
Damit wird die Lausitz erneut grundlegend umgebaut. Neue Energieanlagen, Industrieansiedlungen, Forschung, Tourismus und die Pflege der Bergbaufolgelandschaft sollen Beschäftigung und regionale Identität weiterentwickeln. Der Themenbereich von Bergbaukalender.de dokumentiert diesen Wandel im Zusammenhang mit der deutschen Montangeschichte.
Gesicherte Kerndaten
| Räumliche Einordnung | Südöstliches Brandenburg und nordöstliches Sachsen |
|---|---|
| Wichtige Flöze | 1. und 2. Lausitzer Flöz |
| Aktive Tagebaue, Stand 09/2026 | Welzow-Süd, Nochten, Reichwalde |
| Beendete Förderung | Cottbus-Nord 2015; Jänschwalde 2023 |
| Gesetzlicher Ausstieg | Braunkohleverstromung spätestens 2038 |
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Braun- und Steinkohle?
Braunkohle ist geologisch jünger, enthält meist mehr Wasser und besitzt einen geringeren Heizwert. Lausitzer Rohbraunkohle wird deshalb überwiegend nahe der Tagebaue genutzt.
Wird in der Lausitz noch Braunkohle gefördert?
Ja. Im September 2026 sind Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde aktiv. Jänschwalde und Cottbus-Nord befinden sich nach dem Förderende in der Nachbetriebs- beziehungsweise Sanierungsphase.
Warum entstehen aus Tagebauen Seen?
Nach dem Abbau bleiben Restlöcher zurück. Wo es genehmigt und geotechnisch möglich ist, werden sie durch Grundwasseranstieg und kontrollierte Zuführung von Wasser geflutet. Böschungen und Wasserqualität müssen dabei langfristig überwacht werden.
Quellen und Bildnachweise
- Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege: Geologie und stoffliche Grundlagen
- LMBV: Welzow-Süd, Jänschwalde und Cottbus-Nord – Lausitzer Bergbaugeschichte
- Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg: Braunkohlenplanung
- LEAG: Geschäftsfeld Bergbau und Tagebaue der Lausitz
- Umweltbundesamt: Wasserwirtschaftliche Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz
- Deutsches Bergbau-Museum: Wasser und Bergbaufolgelandschaft im Lausitzer Revier
Alle fünf Illustrationen wurden 2026 für Bergbaukalender.de neu erzeugt. Fachliche Bildreferenzen: die oben genannten geologischen und bergbaulichen Quellen sowie die Commons-Dateiseiten „Bundesarchiv Bild 183-1989-1127-019, Lausitzer Tagebau“, „Gleise der F60 im Tagebau Welzow Süd – 5.jpg“ und „Lausitzer Seenland 2022.jpg“. Es wurde keine Fotovorlage unmittelbar reproduziert.