Die Bergbaugeschichte rund um Aue-Bad Schlema umfasst mehrere deutlich voneinander zu unterscheidende Epochen. Am Heidelsberg bei Aue wurde vor allem Zinn gewonnen. In Schlema bauten Bergleute zunächst Silber-, Kobalt-, Nickel- und Eisenerze ab; aus radonhaltigem Grubenwasser entwickelte sich im 20. Jahrhundert das Radiumbad Oberschlema. Ab 1946 veränderte der Uranbergbau der Wismut Orte, Landschaft und Arbeitswelt grundlegend. Mit dem Ende der Förderung 1990 begann eine technisch anspruchsvolle Sanierung, die noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Heute erinnern das Museum Uranbergbau, Schacht 371, der Markus-Semmler-Stolln und die umgestaltete Landschaft an diese widersprüchliche Geschichte.
Aue: Zinnbergbau am Heidelsberg

Aue war kein Zentrum eines großen Silberbooms wie Freiberg oder Annaberg. Für die örtliche Montangeschichte ist besonders der Heidelsberg südlich der Altstadt wichtig. An seinen Hängen wurde vom 17. bis in das frühe 19. Jahrhundert Zinnstein gewonnen. Das wichtigste Zinnmineral ist Kassiterit, ein Zinnoxid. Pingen, Halden und ehemalige Grubenbaue zeugen von einem kleinräumigen Bergbau, dessen Ertrag und Dauer nicht mit den späteren Großbetrieben der Wismut gleichgesetzt werden dürfen.
Das heutige Stadtmuseum Aue befindet sich in einem ehemaligen Huthaus aus dem 17. Jahrhundert. Ein Huthaus diente einer Grube als Verwaltungs-, Aufenthalts- und Materialgebäude. Seine Lage am Heidelsberg verknüpft das Museum unmittelbar mit dem historischen Revier. Neben Zinn prägten im Raum Aue auch Eisenverarbeitung und andere Gewerbe die wirtschaftliche Entwicklung; Bergbau und Metallverarbeitung waren dabei eng mit Wasserkraft, Holzversorgung und regionalen Verkehrswegen verbunden.
Schlema vor dem Uranbergbau: Erzgänge und Radiumbad

Das Schlemaer Revier gehört zum Schneeberg-Neustädtler Ganggebiet. Über Jahrhunderte wurden dort verschiedene Erze gesucht oder gewonnen, darunter Silber-, Kobalt-, Nickel- und Eisenerze. Der Markus-Semmler-Stolln diente der Wasserlösung, also der Ableitung von Grubenwasser aus höher gelegenen Abbauen. Solche Stollensysteme erschlossen zugleich die Erzgänge und prägten die spätere Nutzung des Untergrunds.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rückten radonhaltige Wässer in den Mittelpunkt. Oberschlema entwickelte sich ab 1918 zu einem Radiumbad. Radon ist ein radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran entsteht und sich in Grubenwässern lösen kann. Die damalige medizinische Anwendung ist historisch einzuordnen; sie darf nicht mit heutigen Bewertungen von Strahlenrisiken verwechselt werden. Der Kurbetrieb bestand bis 1946. Kurz darauf beanspruchte der Uranbergbau große Teile des Ortes und beendete diese erste Kurphase.
Der Wismut-Uranbergbau in Oberschlema und Niederschlema-Alberoda

1946 begann unter sowjetischer Leitung die intensive Suche und Gewinnung von Uranerz. Die zunächst als SAG Wismut, später als SDAG Wismut organisierte Produktion diente dem sowjetischen Atomprogramm. In Oberschlema führte dichter, oberflächennaher Abbau zu schweren Bergschäden. Gebäude mussten aufgegeben werden; wesentliche Teile des früheren Kurortes verschwanden. Das Ortsbild wurde nicht nur durch Halden und Schächte, sondern auch durch Senkungen und die Räumung geschädigter Bereiche grundlegend verändert.
Der Schwerpunkt verlagerte sich nach Niederschlema-Alberoda. Dort erschlossen zahlreiche Schächte ein sehr tiefes Grubengebäude. Schacht 371 bei Hartenstein wurde zu einem zentralen Förder- und Seilfahrtschacht. Er steht stellvertretend für den technisch hoch entwickelten Tiefbergbau des Reviers, ohne die vielen anderen Schächte und Betriebe zu ersetzen. Die Uranförderung endete 1990. Seitdem findet in Aue-Bad Schlema kein aktiver Erzabbau mehr statt.
Arbeit, Gefahren und Eingriffe in die Landschaft

Der Wismut-Bergbau beschäftigte sehr viele Menschen und bot vergleichsweise hohe Löhne, war aber mit erheblichen Belastungen verbunden. Unter Tage gehörten Staub, Lärm, schwere körperliche Arbeit, Sprengarbeiten, Grubenwasser und Unfallgefahren zum Alltag. Beim Uranbergbau kamen ionisierende Strahlung und das radioaktive Edelgas Radon hinzu. Bewetterung – die planmäßige Versorgung der Grube mit Frischluft und Abführung belasteter Luft – war deshalb besonders wichtig.
An der Oberfläche entstanden technische Anlagen, Verkehrswege und große Halden. Abraum und Rückstände veränderten Täler und Hänge; bergbaubedingte Senkungen trafen vor allem Oberschlema. Die gesundheitlichen und ökologischen Folgen wurden in der frühen Produktionsphase nicht ausreichend begrenzt. Eine sachliche Erinnerung muss daher technische Leistungen und Lebensgeschichten der Beschäftigten würdigen, ohne Risiken, Zwangslagen oder Landschaftsschäden zu verharmlosen.
Stilllegung, Sanierung und heutiges Erbe

Nach 1990 übernahm die Bundesgesellschaft Wismut GmbH die Sanierung der früheren Uranbergbaustandorte. Gruben wurden kontrolliert geflutet, Halden abgeflacht, abgedeckt und begrünt sowie belastete Betriebsflächen gesichert oder neu genutzt. Die Wasserbehandlungsanlage Schlema reinigt bis heute Flutungs- und Sickerwasser. Wasserbehandlung und Umweltüberwachung sind langfristige Aufgaben; die Sanierung ist deshalb nicht mit einer einmaligen Stilllegung gleichzusetzen.
Bad Schlema entwickelte sich erneut zum Kurort. Parks und begrünte Halden zeigen die Umgestaltung, während erhaltene Objekte die Bergbaugeschichte sichtbar halten. Das Museum Uranbergbau erläutert Arbeit, Technik und Folgen der Wismut. Schacht 371 ist ein erhaltenes technisches Denkmal und Sammlungsstandort, kein förderndes Bergwerk. Die Uranerzbergbaulandschaft mit Niederschlema-Alberoda gehört seit 2019 zur UNESCO-Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Bergbaukalender.de ordnet diese Zeugnisse als Teil einer langen Montangeschichte ein, die nicht erst mit Uran begann und nicht mit dem Förderende abgeschlossen war.
Kerndaten
| Zeitraum | Einordnung |
|---|---|
| 17. bis frühes 19. Jahrhundert | Zinnbergbau am Heidelsberg bei Aue |
| 1918–1946 | Radiumbad Oberschlema |
| ab 1946 | Beginn des sowjetisch geleiteten Uranbergbaus der Wismut |
| 1954 | Übergang von der SAG zur SDAG Wismut |
| 1990 | Ende der Uranerzförderung |
| seit 1991 | Sanierung durch die Wismut GmbH |
| 2019 | Aufnahme der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in die UNESCO-Welterbeliste |
Häufige Fragen
Wird in Aue-Bad Schlema noch Uran abgebaut?
Nein. Die Uranerzförderung endete 1990. Die Wismut GmbH führt jedoch weiterhin Sanierungs-, Wasserbehandlungs- und Überwachungsaufgaben aus.
Warum gab es in Oberschlema ein Radiumbad?
Radonhaltige Grubenwässer wurden seit 1918 für damalige Kuranwendungen genutzt. Das historische Radiumbad bestand bis 1946; seine medizinischen Vorstellungen sind von heutigen Kenntnissen über Strahlenrisiken zu unterscheiden.
Was ist Schacht 371 heute?
Schacht 371 ist ein erhaltenes technisches Denkmal und Standort einer Lagerstätten- und Bergbausammlung. Er ist kein aktives Förderbergwerk; Besichtigungsmöglichkeiten sind nur über aktuelle offizielle Angaben zu prüfen.
Was geschieht mit dem Grubenwasser?
Nach der Flutung steigt Wasser im ehemaligen Grubengebäude an und nimmt gelöste Stoffe auf. Die Wasserbehandlungsanlage Schlema reinigt dieses Flutungs- und Sickerwasser kontrolliert, bevor es abgeleitet wird.
Quellen
- Stadt Aue-Bad Schlema: Stadtmuseum Aue
- Stadt Aue-Bad Schlema: Stadtgeschichte
- Museum Uranbergbau: Geschichte des Radiumbades Oberschlema
- Museum Uranbergbau
- Wismut GmbH: Die Geschichte der Wismut
- Wismut GmbH: Wasserbehandlungsanlage Schlema
- Wismut GmbH: Wasserbehandlung als Langzeitaufgabe
- Bundeswirtschaftsministerium: Wismut-Uranerzbergbausanierung
- Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří: Bergbaulandschaft Uranerzbergbau
- UNESCO World Heritage Centre: Erzgebirge/Krušnohoří Mining Region
- Wismut Stiftung: Schacht 371
- LfULG: Steckbrief Bergbaukulisse Zwickauer Mulde
Alle Onlinequellen abgerufen am 8. September 2026.
Bildnachweise und Lizenzen
- Aue tin-mining reference — Angela M. Arnold, December 2007, CC BY-SA 3.0
- Oberschlema 1935 — Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC BY-SA 3.0
- Shaft 371 — Aagnverglaser, 3 October 2023, CC BY 4.0
- Underground ventilation structure — Modschegiebchen, 11 February 2012, CC BY-SA 3.0
- Richard-Friedrich-Park — Aagnverglaser, 22 June 2018, CC BY-SA 4.0
Licences: CC BY 4.0 · CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 4.0.