Uranbergbau der Wismut in Sachsen
Der Uranbergbau der Wismut veränderte Sachsen nach 1945 in außergewöhnlichem Tempo. Im Auftrag der Sowjetunion suchten und förderten zunächst sowjetische, später sowjetisch-deutsche Unternehmen Uran für das Atomprogramm der UdSSR. Zentren lagen unter anderem in Johanngeorgenstadt, Oberschlema, Niederschlema-Alberoda, Pöhla, Königstein und Dresden-Gittersee. Die Arbeit bot vielen Menschen Beschäftigung, war jedoch besonders in den Anfangsjahren von Geheimhaltung, hohem Leistungsdruck und erheblichen Unfall-, Staub- und Strahlenrisiken geprägt. Seit dem Ende der planmäßigen Förderung 1990 betreibt die heutige Wismut GmbH keinen Uranbergbau, sondern saniert dessen Hinterlassenschaften.
Uran für die Sowjetunion

Am 14. September 1945 entstand unter sowjetischer Leitung eine sächsische Abteilung zur Suche nach Uranlagerstätten in Schneeberg und Johanngeorgenstadt. Im April 1946 wurden in Johanngeorgenstadt und Oberschlema die ersten Tonnen Uran gewonnen. 1947 wurde die Sowjetische Aktiengesellschaft Wismut (SAG Wismut) gegründet. Der unauffällige Name diente dazu, den strategisch wichtigen Uranbergbau nicht offen zu benennen.
1954 ging daraus die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG Wismut) hervor. Das Unternehmen war eng in die Wirtschafts- und Sicherheitspolitik des Kalten Krieges eingebunden. Um 1950/51 beschäftigte die Wismut in Sachsen und Thüringen zusammen etwa 200.000 Menschen; später sank die Belegschaft deutlich. Bis Ende 1990 produzierte die Wismut insgesamt rund 231.000 Tonnen Uran. Diese häufig zitierte Zahl umfasst sämtliche Betriebe in Sachsen und Thüringen und darf nicht allein Sachsen zugerechnet werden. Das Uran wurde ausschließlich an die Sowjetunion geliefert.
Sächsische Reviere und Abbauverfahren

Die sächsischen Lagerstätten waren geologisch und technisch verschieden. Im Westerzgebirge wurden uranführende Gänge bei Johanngeorgenstadt, Schneeberg, Schlema-Alberoda und Pöhla unter Tage erschlossen. Bohr- und Sprengarbeit löste das Gestein; Förderwagen brachten Erz und Berge zu den Schächten. Die Lagerstätte Niederschlema-Alberoda entwickelte sich zum bedeutendsten sächsischen Revier und erreichte außergewöhnliche Tiefen. Oberflächennahe Abbaue, dicht bebaute Ortslagen und schnell wachsende Halden verursachten erhebliche Bergschäden und Landschaftsveränderungen.
Königstein in der Sächsischen Schweiz war dagegen eine flach lagernde Uranlagerstätte im Sandstein. Dort wurde zunächst konventionell unter Tage abgebaut und später auch Uran durch Laugung aus dem Gestein gelöst. In Dresden-Gittersee gewann die Wismut Uran aus uranhaltiger Steinkohle beziehungsweise Erzkohle. Ärmere Erze wurden mechanisch und chemisch aufbereitet, unter anderem im Werk Crossen bei Zwickau. Abraumhalden, belastete Grubenwässer und Rückstände der Aufbereitung wurden nach 1990 zu zentralen Sanierungsaufgaben.
Arbeit, Geheimhaltung und Gesundheitsrisiken

Die frühen Jahre waren von improvisierten Anlagen, knapper Ausrüstung und sehr hohem Produktionsdruck geprägt. Arbeitskräfte wurden anfangs auch dienstverpflichtet; zugleich lockten im Vergleich hohe Löhne und eine bessere Versorgung freiwillige Beschäftigte an. Später entwickelte die Wismut ein umfangreiches Sozial-, Ausbildungs- und Gesundheitswesen. Diese Verbesserungen änderten nichts daran, dass der Betrieb strategischer Geheimhaltung und strenger Kontrolle unterlag.
Unter Tage wirkten mehrere Gefahren zusammen: Unfälle, quarzhaltiger Staub, Radon und seine radioaktiven Zerfallsprodukte sowie äußere Gammastrahlung. Radon entsteht natürlich in uranhaltigem Gestein und kann sich ohne ausreichende Bewetterung – die Versorgung der Grube mit Frischluft – anreichern. Die gesundheitlichen Folgen, vor allem Lungenkrebs und Staublungenerkrankungen, traten oft erst nach langen Latenzzeiten hervor. Das Bundesamt für Strahlenschutz untersucht in der Wismut-Kohortenstudie knapp 59.000 ehemalige männliche Beschäftigte. Sie gehört zu den weltweit größten Studien über beruflich radonexponierte Bergleute.
Stilllegung, Sanierung und heutige Situation

Die planmäßige Uranproduktion endete am 31. Dezember 1990. Ende 1991 wurde die SDAG Wismut in die bundeseigene Wismut GmbH umgewandelt. Deren Auftrag ist die Stilllegung, Sanierung und Rekultivierung, nicht die Rohstoffgewinnung. Zu Beginn standen an den Standorten in Sachsen und Thüringen zusammen etwa 1.400 Kilometer offene Grubenbaue, 311 Millionen Kubikmeter Haldenmaterial und 160 Millionen Kubikmeter radioaktive Schlämme zur Bearbeitung.
| Zeit | Einordnung |
|---|---|
| 1945/1946 | Sowjetisch geleitete Suche und Beginn der Urangewinnung in Sachsen |
| 1947–1953 | SAG Wismut |
| 1954–1991 | SDAG Wismut |
| 31. Dezember 1990 | Ende der planmäßigen Uranproduktion |
| seit 1991 | Wismut GmbH als Sanierungsunternehmen des Bundes |
Bis 2026 flossen nach Unternehmensangaben 7,4 Milliarden Euro in das gesamte sächsisch-thüringische Sanierungsprojekt; rund 2.450 Hektar ehemals bergbaulich genutzter Flächen wurden renaturiert. Wesentliche Bauprojekte sollen nach aktueller Planung bis 2028 abgeschlossen werden, doch Wasserbehandlung, Umweltüberwachung und Nachsorge bleiben auf unbestimmte Zeit erforderlich. Der letzte Urantransport im Juni 2021 bestand aus Material, das bei der Reinigung von Grubenwasser in Königstein abgetrennt worden war. Er bedeutete keine Wiederaufnahme des Bergbaus. In Sachsen findet heute kein kommerzieller Uranabbau statt.
Eine besondere Kategorie bilden die Wismut-Altstandorte: frühe Bergbauobjekte, die am 30. Juni 1990 nicht mehr Eigentum der Wismut waren und deshalb nicht unmittelbar unter das Wismut-Gesetz von 1991 fielen. Ihre Sanierung wird aufgrund einer Vereinbarung von Bund und Freistaat Sachsen gesondert finanziert und von der Wismut GmbH gesteuert. Technische Denkmale, Museen und Sammlungen bewahren zugleich die widersprüchliche Geschichte von Arbeit, Kaltem Krieg, Krankheit, Umweltzerstörung und Sanierungsleistung.
Häufige Fragen zum Wismut-Uranbergbau
Was war die SDAG Wismut?
Die SDAG Wismut war von 1954 bis 1991 ein sowjetisch-deutsches Unternehmen. Sie förderte und verarbeitete Uran für die Sowjetunion.
Wo wurde in Sachsen Uran abgebaut?
Wichtige Reviere lagen unter anderem bei Johanngeorgenstadt, Schlema-Alberoda, Pöhla, Königstein und Dresden-Gittersee. Weitere frühe Such- und Abbaugebiete bestanden im Erzgebirge und Vogtland.
Warum war die Arbeit gesundheitsschädlich?
Zu den Belastungen gehörten Radon und seine Zerfallsprodukte, quarzhaltiger Staub, Gammastrahlung und Unfallgefahren. Besonders hoch waren manche Belastungen in den unzureichend geschützten Anfangsjahren.
Baut die Wismut GmbH heute Uran ab?
Nein. Die Wismut GmbH ist heute ein bundeseigenes Sanierungsunternehmen. Sie behandelt Grubenwasser, sichert Bergbauanlagen, rekultiviert Flächen und überwacht die Umwelt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Wismut GmbH: Geschichte der Wismut (Abruf: 7. September 2026)
- Bundeswirtschaftsministerium: Geschichte des Uranerzbergbaus und Gründung der Wismut GmbH (Abruf: 7. September 2026)
- Wismut GmbH: Standorte in Sachsen und Thüringen (Abruf: 7. September 2026)
- Wismut GmbH: Sanierungslösungen und Technologien (Abruf: 7. September 2026)
- Bundesamt für Strahlenschutz: Wismut-Uranbergarbeiter-Kohortenstudie (Abruf: 7. September 2026)
Die Illustrationen wurden 2026 für Bergbaukalender.de neu erstellt. Offizielle Quellen dienten der fachlichen Rekonstruktion; es wurde keine Fotografie direkt nachgezeichnet.