Schwarzenbergs Bergbaugeschichte unterscheidet sich von den großen Silberbergstädten des Erzgebirges. Für die Entwicklung der Stadt und ihres Umlands waren vor allem Eisenstein, die Verarbeitung des Erzes in Hammerwerken und die Verwaltung eines weitläufigen Bergreviers bestimmend. In der Bergbaulandschaft Rother Berg lassen sich Spuren des mittelalterlichen Eisenerzbergbaus erkennen; im Tal entwickelte sich der Erlahammer zu einem bedeutenden Standort der Eisenverarbeitung. Zinn, Silber und weitere Erze ergänzten das vielfältige Revier. Im 20. Jahrhundert kam mit der Erkundung komplexer Lagerstätten bei Pöhla ein neues Kapitel hinzu. Heute verbinden Denkmale, Lehrpfade und ein Besucherbergwerk diese sehr unterschiedlichen Epochen.
Burg, Siedlung und frühe Bergbaulandschaft

Schwarzenberg entstand im westlichen Erzgebirge an einem Übergang über das Schwarzwasser. Burg und Siedlung sicherten eine regionale Verkehrsverbindung; Rohstoffgewinnung und Metallverarbeitung stärkten später die wirtschaftliche Bedeutung des Ortes. Anders als Freiberg oder Annaberg entwickelte sich Schwarzenberg nicht aus einem einzelnen großen Silberfund. Das Revier beruhte auf mehreren Rohstoffen und auf der engen Verbindung zwischen Bergbau, Waldwirtschaft, Wasserkraft und Hüttenwesen.
In der Bergbaulandschaft Rother Berg, nordöstlich der heutigen Stadt, wurde nach Angaben der Stadt Schwarzenberg bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts Roteisenerz gewonnen. Roteisenerz ist ein eisenreiches Gestein, dessen roter Farbton meist vom Mineral Hämatit stammt. Pingen – trichter- oder muldenförmige Vertiefungen über alten Abbauen – sowie Halden und weitere Geländespuren machen den frühen Bergbau noch sichtbar. Sie dokumentieren keine einzelne Großgrube, sondern eine über lange Zeit genutzte Montanlandschaft.
Rother Berg, Erlahammer und die Eisenverarbeitung

Das Erz aus der Bergbaulandschaft Rother Berg wurde zum Erlahammer gebracht. Ein Hammerwerk war eine wasserbetriebene Anlage, in der Eisen erzeugt oder weiterverarbeitet wurde; große Hämmer wurden über Wasserräder und Wellen bewegt. Der Erlahammer wird 1380 erstmals schriftlich erwähnt und gilt als einer der ältesten erhaltenen Eisenhüttenstandorte des Erzgebirges. Für seine Entwicklung waren drei Standortfaktoren entscheidend: Eisenerz aus der Umgebung, Holz zur Erzeugung von Holzkohle und die Wasserkraft der Gebirgsbäche.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Schwarzenberger Gebiet zu einem Zentrum der erzgebirgischen Eisenproduktion. Die um 1537 einsetzende Herstellung von verzinntem Eisenblech verband zwei regionale Rohstoffe: Eisen bildete den Werkstoff, Zinn schützte seine Oberfläche vor Korrosion. Der Herrenhof Erlahammer aus dem 17. und 18. Jahrhundert erinnert an die Leitung und Organisation des Werkes. Er wurde bis 2019 saniert. Am historischen Produktionsstandort wird weiterhin Eisen gegossen; diese moderne Industrie ist jedoch von den früheren Berg- und Hammerwerken zu unterscheiden.
Zinn, Silber und Wasserwirtschaft im Revier

Eisen prägte Schwarzenberg besonders stark, war aber nicht der einzige Rohstoff. Im weiteren Revier wurden auch Zinn-, Silber-, Kobalt- und andere Erze gesucht oder zeitweise gewonnen. Ihre Bedeutung wechselte je nach Lagerstätte, Metallpreis und technischer Möglichkeit. Kleinere Grubenfelder lagen unter anderem bei Sachsenfeld, Wildenau und Pöhla. Damit bildete das Schwarzenberger Revier kein einheitliches Erzvorkommen, sondern ein Mosaik verschiedener Gänge und Lagerstätten.
Wasser war Energiequelle und Betriebsproblem zugleich. Kunstgräben leiteten Wasser zu Rädern, die Hämmer, Gebläse oder Förderanlagen antrieben; zugleich musste eindringendes Grubenwasser abgeleitet werden. Der Baumannsgraben und der Roter-Löwe-Graben gehören zu den erhaltenen Zeugnissen dieser Wasserwirtschaft. Lehrpfade wie der Eisenhüttensteig oder der Fröbesteig verbinden heute Grubenreste, Pingen, Gräben und Hüttenstandorte. Sie sind montanhistorische Wege, keine aktiven Bergwerksanlagen.
Das Bergamt Schwarzenberg und wechselnde Reviergrenzen

Mit dem Übergang der Herrschaft Schwarzenberg an Kursachsen entstand 1533 ein sächsischer Amts- und Bergverwaltungsbezirk. Das Bergamt beaufsichtigte unter anderem Grubenverleihungen, Abgaben und den ordnungsgemäßen Betrieb. Seine Grenzen waren nicht dauerhaft. 1546 fielen die Bezirke Platten und Gottesgab an Böhmen; 1662 wurden Gebiete am Fastenberg und bei Jugel dem neu eingerichteten Bergamt Johanngeorgenstadt zugeordnet.
1772 wurden die Bergämter Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt unter gemeinsamer Leitung zusammengefasst. 1856 entstand nochmals ein eigenständiger Bergamtsbezirk Schwarzenberg, der ein erheblich größeres Gebiet mit Johanngeorgenstadt, Eibenstock, Schneeberg und weiteren Teilen des Westerzgebirges umfasste. Mit der Neuordnung der sächsischen Bergverwaltung endete das selbstständige Bergamt 1869. Die wechselnden Zuständigkeiten erklären, weshalb historische Akten eines Ortes heute in mehreren bergamtlichen Beständen zu finden sein können.
Pöhla: Mehrmetallerze, Wismut und heutiges Erbe

Pöhla, heute ein Ortsteil von Schwarzenberg, besitzt eine eigene, jüngere Bergbaugeschichte. Ab 1967 erkundete die Wismut dort komplexe Skarnlagerstätten. Skarn entsteht, wenn heiße magmatische Lösungen karbonatreiches Gestein chemisch umwandeln; dabei können unterschiedliche Erzminerale konzentriert werden. Bei Pöhla traten unter anderem Uran-, Zinn-, Wolfram-, Eisen- und Silbererze auf. Die Lagerstätten Hämmerlein und Tellerhäuser wurden über einen rund acht Kilometer langen Stollen untersucht. 1976 und 1977 entstanden in Hämmerlein Versuchskammern für die Zinngewinnung.
Der Betrieb konzentrierte sich später auf Uranerze im Bereich Tellerhäuser. Nach der politischen Wende endete die Gewinnung; ab 1991 folgten Flutung und Sanierung. Das heutige Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla erschließt Teile der früheren Untersuchungsbaue und ist kein aktives Erzbergwerk. In der Bergbaulandschaft Rother Berg und im Herrenhof Erlahammer ist zugleich der viel ältere Eisenbergbau präsent. Diese Bestandteile gehören zur Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, die 2019 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Bergbaukalender.de dokumentiert diese Landschaft als Zusammenspiel von Rohstoffgewinnung, Technik, Arbeit und langfristigen Folgen.
Kerndaten
| Zeitraum | Gesicherte Einordnung |
|---|---|
| Mitte 13. Jahrhundert | Eisenerzgewinnung in der Bergbaulandschaft Rother Berg nach kommunaler Überlieferung und Geländebefund |
| 1380 | Erste schriftliche Erwähnung des Erlahammers |
| 1533 | Einrichtung des kursächsischen Amts- und Bergverwaltungsbezirks Schwarzenberg |
| um 1537 | Beginn der regionalen Herstellung von verzinntem Eisenblech |
| 1772 | Gemeinsame Verwaltung mit dem Bergamt Johanngeorgenstadt |
| 1856–1869 | Erneut eigenständiger Bergamtsbezirk Schwarzenberg |
| ab 1967 | Wismut-Erkundung der komplexen Lagerstätten bei Pöhla |
| 1976–1977 | Versuchskammern für Zinnerz in Hämmerlein |
| ab 1991 | Flutung und Sanierung der Pöhlaer Grubenbaue |
| 2019 | Rother Berg und Herrenhof Erlahammer als Teil des UNESCO-Welterbes anerkannt |
Häufige Fragen
Welcher Rohstoff war für Schwarzenberg besonders wichtig?
Eisenerz und seine Verarbeitung in Hammer- und Hüttenwerken prägten Schwarzenberg stärker als ein einzelner Silberboom. Daneben wurden im weiteren Revier Zinn, Silber, Kobalt sowie später Uran- und Wolframerze untersucht oder gewonnen.
Was ist eine Pinge?
Eine Pinge ist eine trichter- oder muldenförmige Vertiefung, die durch oberflächennahen Abbau oder den Einsturz alter Grubenbaue entstanden sein kann. In der Bergbaulandschaft Rother Berg gehören Pingen zur erhaltenen Bergbaulandschaft.
Was machte der Erlahammer?
Der Erlahammer nutzte Wasserkraft für die Eisenverarbeitung. Der Standort verband Erz, Holzkohle und Wasserenergie und entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der regionalen Eisenindustrie.
Ist das Besucherbergwerk Pöhla ein aktives Bergwerk?
Nein. Es erschließt Teile früherer Erkundungs- und Gewinnungsbaue für Besucher. Aktuelle Zugänglichkeit und Führungen sollten vor einem Besuch beim Betreiber geprüft werden.
Quellen
- Sächsisches Staatsarchiv: Bergamt Schwarzenberg (Bestand 40052)
- Stadt Schwarzenberg: Bergbaulandschaft Rother Berg
- Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří: Bergbaulandschaft Rother Berg
- Stadt Schwarzenberg: Bergbaulehrpfade
- Stadt Schwarzenberg: Eisenhüttensteig
- LfULG: Die polymetallische Skarnlagerstätte Pöhla-Globenstein
- Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla: Geschichte
- Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří: Bergbaugeschichte
- UNESCO World Heritage Centre: Erzgebirge/Krušnohoří Mining Region
Alle Onlinequellen abgerufen am 8. September 2026.
Bildnachweise und Lizenzen
- Schwarzenberg bei Johann Traugott Lindner 1848.jpg — unknown artist, published 1848, public domain; topographic reference
- Herrenhof Erla (4).jpg — Aagnverglaser, 23 September 2018, CC BY-SA 4.0; architectural reference
- Eisenhüttenwerk Erla um 1910.jpg — Graphische Kunstanstalt Arthur Geil, circa 1910, public domain; industrial-site reference
- Fröbesteig, Infotafel Dr. Walter Fröbe (alt).jpg — Aagnverglaser, 23 September 2018, CC BY-SA 4.0; landscape reference
- Besucherbergwerk Poehla.jpg — Devilsanddust, 17 February 2007, CC BY-SA 3.0; visitor-mine reference
Licences: Public Domain Mark · CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 4.0.