Der Schwibbogen ist als Weihnachtsschmuck leicht zu erkennen: Über einer kleinen Bildwelt erhebt sich ein Bogen mit Lichtern. Sein Name wirkt dagegen zunächst ungewöhnlich. Was bedeutet „Schwib“? Ist die Form einem Stolleneingang nachempfunden? Und wofür stehen die Lichter? Bei diesen Fragen hilft es, drei Ebenen auseinanderzuhalten: die Herkunft des Wortes, die mögliche Bedeutung früher Darstellungen und das, was Menschen heute mit ihrem Schwibbogen verbinden. Nicht jede stimmungsvolle Erklärung ist zugleich ein historischer Nachweis. Dennoch lässt sich viel über diesen vertrauten Teil erzgebirgischer Weihnachtskultur erzählen.
Der Name: ein Schwebebogen aus der Architektur

Der Duden führt „Schwibbogen“ auf die älteren Wortformen swiboge und swibogo zurück und stellt die Verbindung zum Verb „schweben“ her. Gemeint ist ein Schwebebogen. Das Wort bezeichnet also nicht nur einen Weihnachtsleuchter, sondern gehört auch zur Sprache der Architektur. [1]
Dort beschreibt es einen Bogen, der zwei gegenüberliegende, parallele Wände überspannt, ohne darüberliegendes Mauerwerk zu tragen. Anschaulich wird das in einer schmalen Gasse: Über dem Durchgang verbindet ein Bogen die Hausseiten. Er schwebt natürlich nicht frei, sondern ist seitlich mit ihnen verbunden. [1]
Auch der Förderverein Pferdegöpel erklärt den Namen des erzgebirgischen Leuchters über den architektonischen Schwebebogen. Die sprachliche Beziehung beantwortet allerdings nicht automatisch, warum ein bestimmter Schmied gerade diese Form wählte. Wortherkunft und Entstehungsabsicht sind zwei verschiedene Fragen. [2]
Die Form: Himmelsbogen oder Stolleneingang?

Ein rundbogiges Stollenmundloch und ein Schwibbogen können ähnlich wirken. Das macht die verbreitete Erklärung verständlich, der Leuchter bilde den Eingang eines Bergwerks nach. Der Förderverein Pferdegöpel weist jedoch darauf hin, dass für diese ursprüngliche Absicht keine historischen Belege vorliegen. [2]
Als andere Deutungsmöglichkeit nennt er den Himmelsbogen: Sonne, Mond und Sterne auf frühen Stücken lassen an das Himmelsgewölbe denken. Christliche Darstellungen, darunter Adam und Eva, gehören ebenfalls zu den frühen Motiven. Die Bildwelt erschöpft sich somit nicht im Bergbau. Die Himmelsdeutung bleibt eine begründete Interpretation, keine überlieferte Erklärung jedes einzelnen Herstellers. [2]
Beim Betrachten lohnt es sich deshalb, zwischen der äußeren Silhouette und den Motiven im Inneren zu unterscheiden. Ein Bogen kann eine Szene rahmen, während Figuren, Zeichen und Inschriften ihren eigenen Inhalt tragen. Dass ein moderner Entwurf ausdrücklich einen Stollen zeigt, belegt zunächst nur die Aussage dieses Entwurfs. Es beweist nicht, dass alle älteren Bögen dieselbe Bedeutung hatten.
Die Lichter: Weihnachtsbrauch und persönliche Bedeutung

Die bergmännische Verbindung ist dennoch konkret: Die Stadt Johanngeorgenstadt verweist auf die Verwendung früher Schwibbögen bei Mettenfeiern. Der örtliche Förderverein beschreibt weihnachtliche Zusammenkünfte mit Gebet, Gesang und gemeinsamer Bewirtung. Der Leuchter gehört in diesem Zusammenhang zum Feiern einer Gemeinschaft. [3], [4]
Heute kann ein Schwibbogen darüber hinaus sehr persönliche Erinnerungen tragen: an das Elternhaus, an einen vertrauten Ort oder an das gemeinsame Schmücken im Advent. Wer darin Hoffnung, Geborgenheit oder Verbundenheit sieht, beschreibt eine heutige Bedeutung. Dafür ist keine einzige, für alle Zeiten verbindliche Symbolerklärung erforderlich.
Auch einzelne Figuren haben nicht immer dieselbe Aussage. Bei seinem großen öffentlichen Schwibbogen erläutert Johanngeorgenstadt die Bergleute als Hinweis auf den sächsischen Bergbau und die Klöpplerin als Vertreterin erzgebirgischer Volkskunst. Solche Erklärungen beziehen sich auf das jeweilige Motiv und seinen regionalen Zusammenhang. [3]
Der Name verweist auf den Schwebebogen; die Bedeutung entsteht auch durch Motiv, Gebrauch und persönliche Erinnerung. Die zeitliche Entwicklung erklärt der Beitrag zur Geschichte des Schwibbogens. Heutige Ausführungen finden Sie bei den Außenschwibbögen aus Metall von Bergbaukalender.de.