Sachsens Bergbaugeschichte lässt sich nicht auf das Erzgebirge reduzieren. Neben den alten Erzrevieren prägten die Steinkohlebecken von Zwickau und Lugau-Oelsnitz, die Braunkohlentagebaue der Lausitz und des Mitteldeutschen Reviers sowie zahlreiche Steinbrüche und Gruben das Land. Diese Übersicht ist keine Rangliste. Sie wählt Regionen nach ihrer historischen Dauer, wirtschaftlichen Bedeutung, landschaftlichen Wirkung und heutigen Relevanz aus. Dabei wird klar zwischen historischem Bergbau, aktiver Rohstoffgewinnung und Sanierung unterschieden. Moderne Technik – vom Untertage-Bohrgerät bis zur Abraumförderbrücke – gehört ebenso zur sächsischen Montangeschichte wie Schächte, Halden und Hüttenstandorte.
Das Erzgebirge: Erze, Spate und Bergbauwissen

Das Erzgebirge umfasst mehrere, geologisch und historisch unterschiedliche Reviere. Seit dem Mittelalter wurden vor allem Silber-, Zinn-, Blei-, Eisen- und später Kobalterze gewonnen; im 20. Jahrhundert kam der Uranbergbau der SAG/SDAG Wismut hinzu. Freiberg, Schneeberg, Annaberg, Marienberg und Altenberg stehen deshalb jeweils für andere Lagerstätten, Perioden und technische Lösungen. Bergämter, Hüttenwesen und die 1765 gegründete Bergakademie Freiberg machten die Region zugleich zu einem Zentrum von Verwaltung und Montanwissenschaft.
Heute ist das Erzgebirge nicht einfach ein „stillgelegtes Erzrevier“. Bei Niederschlag wird seit 2013 Flussspat unter Tage gewonnen. Flussspat ist ein Industriemineral und kein Metallerz. Andere Vorhaben zu Lithium, Zinn oder Wolfram befinden sich – je nach Projekt – in Erkundung, Planung oder Genehmigungsvorbereitung; daraus darf kein laufender Abbau abgeleitet werden. Gleichzeitig sichern Besucherbergwerke, Denkmale und die UNESCO-Welterbestätte Erzgebirge/Krušnohoří ausgewählte historische Zeugnisse.
Zwickau und Lugau-Oelsnitz: Sachsens Steinkohlenreviere

Die Steinkohlebecken bei Zwickau und im Raum Lugau-Oelsnitz versorgten Industrie, Eisenbahn und Haushalte. Ihr Bergbau unterschied sich grundsätzlich vom Erzgangbergbau des Erzgebirges: Kohleflöze wurden über tiefe Schächte und weit verzweigte Strecken erschlossen. Mit zunehmender Teufe wuchsen die Anforderungen an Förderung, Wasserhaltung, Bewetterung und Grubensicherheit. Große Fördergerüste, Maschinenhäuser, Kokereien, Halden und Werkssiedlungen prägten ganze Stadtteile.
Beide Reviere sind heute stillgelegt. In Zwickau und Oelsnitz/Erzgebirge erinnern erhaltene Anlagen, Sammlungen und umgenutzte Industriestandorte an die Arbeit unter Tage. Die Bezeichnung „ehemaliges Steinkohlenrevier“ ist wichtig: Ein technisches Denkmal oder Museum ist kein aktives Bergwerk. Bergschäden, Grubenwasser und die Sicherung alter Schächte bleiben dennoch langfristige Aufgaben.
Die Lausitz: aktiver Braunkohlenbergbau im Großtagebau

Der sächsische Teil des Lausitzer Braunkohlenreviers liegt vor allem im Nordosten des Landes. In den Tagebauen Nochten und Reichwalde wird gegenwärtig Braunkohle gewonnen. Der Abbau erfolgt nicht unter Tage, sondern in großflächigen Tagebauen: Deckschichten werden abgetragen, die Kohle freigelegt und über Bandanlagen transportiert. In Nochten gehört die Abraumförderbrücke F60 zu den markanten Großgeräten; sie verbindet Abtragen, Transportieren und Verkippen des Abraums in einem kontinuierlichen System.
Das Revier reicht über Sachsen hinaus nach Brandenburg. Tagebau verändert Grundwasser, Böden, Siedlungen und Verkehrswege tiefgreifend. Deshalb gehören Rekultivierung, Wasserwirtschaft und die gesetzlich festgelegte Beendigung der Kohleverstromung zur heutigen Einordnung. „Aktiv“ beschreibt den aktuellen Betriebszustand, nicht eine unbegrenzte Zukunft.
Das Mitteldeutsche Revier: Braunkohle und Bergbaufolgelandschaft

Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier umfasst Gebiete in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sein sächsischer Schwerpunkt liegt nordwestlich von Leipzig. Im Tagebau Vereinigtes Schleenhain wird weiterhin Braunkohle gewonnen. Daneben prägen zahlreiche bereits ausgekohlte Tagebaue die Region. Aus Restlöchern entstanden durch Sanierung und Flutung Seen; Böschungen mussten gesichert, Wasserhaushalte neu geordnet und belastete Standorte behandelt werden.
Die Seenlandschaft südlich von Leipzig ist daher keine „Rückkehr zum Naturzustand“, sondern eine technisch gestaltete Bergbaufolgelandschaft. Für viele Bereiche trägt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft langfristige Sanierungsaufgaben. Freizeitnutzung, Naturschutz, Hochwasserschutz und Wasserqualität müssen dort immer wieder miteinander abgestimmt werden.
Steine und Erden: dezentrale Gewinnung in vielen Landesteilen

Nicht jeder bedeutende Bergbau Sachsens bildet ein geschlossenes historisches Revier. Hartgestein, Kalkstein, Sand, Kies, Ton und Kaolin werden an zahlreichen Standorten gewonnen. Steinbrüche erschließen festes Gestein durch Bohren und Sprengen; anschließend zerkleinern Brecher und Siebanlagen das Material. Lockergesteine werden meist mit Baggern gewonnen und nach Korngröße aufbereitet. Die Erzeugnisse dienen unter anderem Bauwesen, Straßenbau, Keramik und Industrie.
| Regionstyp | Kennzeichnende Rohstoffe | Heutige Einordnung |
|---|---|---|
| Erzgebirge | historisch Metall- und Uranerze; heute u. a. Flussspat | historisches Erbe, Sanierung und punktuell aktiver Untertagebau |
| Zwickau / Lugau-Oelsnitz | Steinkohle | stillgelegt; Denkmale und Ewigkeitsaufgaben |
| Lausitz | Braunkohle | aktiver Tagebau und Strukturwandel |
| Mitteldeutsches Revier | Braunkohle | aktiver Tagebau neben großräumiger Sanierung |
| dezentrale Lagerstätten | Naturstein, Kalk, Sand, Kies, Ton, Kaolin | zahlreiche aktive Gewinnungsstätten |
Die Übersicht zeigt, warum „Bergbauregion Sachsen“ mehr als historische Erzstollen bedeutet. Aktive Gewinnung, Industriekultur, Sanierung und Strukturwandel bestehen gleichzeitig. Bergbaukalender.de vertieft diese Regionen, ihre Rohstoffe und ihre Technik in eigenen Beiträgen.
Häufige Fragen
Welche Bergbauregion ist die wichtigste in Sachsen?
Das hängt vom Maßstab ab. Das Erzgebirge besitzt besondere historische und wissenschaftliche Bedeutung; Zwickau und Lugau-Oelsnitz stehen für Steinkohle, Lausitz und Leipziger Raum für Braunkohle. Eine eindeutige Rangfolge wäre fachlich irreführend.
Gibt es in Sachsen noch aktiven Bergbau?
Ja. Dazu zählen derzeit die Braunkohlentagebaue Nochten, Reichwalde und Vereinigtes Schleenhain, die Flussspatgewinnung bei Niederschlag sowie zahlreiche Betriebe für Steine und Erden. Der Status einzelner Vorhaben kann sich ändern.
Sind geplante Lithium- oder Zinnprojekte bereits Bergwerke?
Nein. Erkundung, Planung, Genehmigungsverfahren und tatsächliche Gewinnung sind verschiedene Stufen. Erst ein in Betrieb befindlicher Abbau ist ein aktives Bergwerk.
Was ist eine Bergbaufolgelandschaft?
Damit wird eine nach dem Abbau verbleibende und meist technisch gesicherte, gestaltete oder geflutete Landschaft bezeichnet. Sie kann neue Nutzungen ermöglichen, bleibt aber häufig auf Wassersteuerung und Nachsorge angewiesen.
Quellen
- Sächsisches Oberbergamt: Aktiver Bergbau
- Sächsisches Oberbergamt: Erze und Spate
- Sächsisches Oberbergamt: Braunkohle
- Sächsisches Oberbergamt: Steine und Erden
- LEAG: Bergbau und aktive Tagebaue
- LMBV: Bergbausanierung in Lausitz und Mitteldeutschland
- KohleWelt Oelsnitz/Erzgebirge: Geschichte des Lugau-Oelsnitzer Reviers
- UNESCO World Heritage Centre: Erzgebirge/Krušnohoří Mining Region
Alle Onlinequellen abgerufen am 8. September 2026.