KALENDERARCHIV / 2016
Bergbaukalender 2016 – Typlokalitäten von Mineralien des Erzgebirges
Der 23. Original Sächsische Bergbaukalender verbindet dreizehn ausgewählte Mineralstufen mit Untertageaufnahmen aus sächsischen Bergwerken. Die Originalangaben unterscheiden die Typlokalität des jeweiligen Minerals vom fotografierten Grubenort. Titelblatt und Monatsbilder erschließen das Thema über Mineralstufen, Grubenräume und erhaltene bergbauliche Einbauten.
Dieses Archiv zeigt Titelblatt, Vorblatt, zwölf Monatsblätter und die Erläuterungsseite. Jens Kuglers vollständiger Einführungstext ist als lesbarer Text enthalten. Mineralbezeichnungen, Typlokalitäten und historische Angaben dokumentieren den Stand der Ausgabe 2016.
23. Ausgabe · 15 Kalenderblätter · Gestaltung: René König / GERMAGZ-Verlag

TITELBLATT · 2016
(Fluor-)Apatit und Alter Hirtenstolln
Das Titelblatt verbindet eine laut Originalangabe als „(Fluor-)Apatit“ bezeichnete Mineralstufe mit einer Aufnahme aus dem Alten Hirtenstolln bei Geyer. Als Typlokalität nennt der Kalender Ehrenfriedersdorf und die Greifensteine. Im ausgeleuchteten Grubenraum steht ein Bergmann als Silhouette. Die Gegenüberstellung von Mineral und Untertageaufnahme eröffnet das Thema der 23. Ausgabe.

VORSATZ · 2016
Der Mineraliensammler und Werners Handschrift
Das Vorblatt zeigt die Lithografie „Der Mineraliensammler“ aus dem 19. Jahrhundert vor einem Hintergrund mit der Handschrift von Abraham Gottlob Werner. Der Bildnachweis nennt den Wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg. Unter der Darstellung steht Jens Kuglers Einführung zu Typlokalitäten und zur Geschichte der Mineralbeschreibungen. Der vollständige Vorsatztext folgt hier als lesbarer Text.
Originaltext von Jens Kugler. „Heute“ und die genannten Mineralzahlen beziehen sich auf den Stand der Ausgabe 2016.
Unter einer Typlokalität versteht man in der Mineralogie den Ort, von dem das Material für die erste wissenschaftliche Publikation darüber stammt. Während seit 1959 die Formalien und Modalitäten zur Anerkennung neuer Minerale durch die International Mineralogical Association (IMA) festgelegt sind, gab es für die Zeit davor keine Regeln. Es ist nicht verwunderlich, dass die ältesten sächsischen Publikationen, die sich mit der Systematisierung von Mineralen beschäftigen, zugleich auch Typlokalitäten enthalten. Der berühmte Montangelehrte Georgius Agricola [*1494 †1555] schrieb im Widmungsbrief zu seinem Werk „de natura fossilium libri X.“ (Über die Minerale – 10 Bücher) im Jahr 1546: „... Auf diese Art werde ich gewiss manches, was noch dunkel ist, aufhellen und manches, was auseinandergerissen / und durcheinandergeworfen ist, in Ordnung bringen können. … Zum Teil haben diese Dinge noch keinen Namen, weil die Alten nichts darüber geschrieben haben. Ich musste ihnen deshalb neue Namen geben ...“ – und darunter waren auch Erstbeschreibungen.
Heute wird dieser große Wissenschaftler und Humanist als einer der ersten Systematiker geehrt und gilt als der Vater der Mineralogie. Aus dem Jahr 1565 stammt der älteste gedruckte erdwissenschaftliche Sammlungskatalog. Er beschreibt mit der Sammlung des sächsischen Gelehrten Johannes Kentmann [*1518 †1574] auch neue Minerale.
Von den weltweit heute 5000 bekannten Mineralen befindet sich für 91 die Typlokalität in Sachsen, die meisten wurden im Erzgebirge gefunden. Sicher sahen vor Ort oder in den Scheidebänken die Bergleute auch neue und bis dahin unbekannte Minerale. Doch nur derjenige, der sie erstmalig publizierte, gilt als Entdecker. Und das waren nicht die vor Ort arbeitenden Bergleute. Gelehrte und Wissenschaftler beschrieben und benannten die neuen Minerale. Zu ihnen gehören beispielsweise: U.R. von Calw [*1465 †1523] – 2 Minerale; G. Agricola [*1494 †1555] 3 Minerale; P. Albinus [*1543 †1598] – 1 Mineral; A.G. Werner [*1749 †1817] – 5 Minerale; J.F.A. Breithaupt [*1791 †1873] – 11 Minerale; C.G.A. von Weissenbach [*1797 †1846] – 3 Minerale; J.C. Freiesleben [*1774 †1846] – 2 Minerale; Th. Scherer [*1813 †1875] – 1 Mineral oder A. Weisbach [*1833 †1901] – 10 Minerale.
Viele dieser Minerale tragen Bezeichnungen nach erzgebirgischen Orten oder Bergwerken, so: Schörl (Zschorlau), Freibergit, Neustädtelit, Schlemait, Annabergit, oder Rappoldit (⚒Rappold-Neustädtel). Auch sächsische Geowissenschaftler und Bergbeamte wurden mit Mineralbezeichnungen geehrt, so beispielsweise C.F. Brendel [*1776 †1861] Brendelit (1999), S.A.W.V. Herder [*1776 †1838] Herderit (1828); O.R. Tröger [*1838 †1917] Trögerit (1871) oder F.L. Kolbeck [*1860 †1943] Kolbeckit (1926). Auch die jüngsten, erst in den letzten Jahren im Erzgebirge entdeckten Minerale, stehen mit dem Bergbau im direkten Zusammenhang so beispielsweise: Hydrowoodwardit (1999), Nickelschneebergit (2002), Greifensteinit (2002), Cobaltneustädtelit (2002), Schlemait (2003) oder Schlegelit (2006).
Und man wird sicher auch in Zukunft weitere sächsische Minerale im Erzgebirge entdecken.

JANUAR · 2016
Fluorit – Bräunsdorf
Das Januarblatt verbindet Fluorit mit einer Aufnahme aus der Grube Kühschacht Fundgrube bei Bräunsdorf. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Breitenbrunn/Erzg. und Joachimsthal/Jachymov (CR). Holzeinbauten und eine Fahrt erschließen den Grubenraum. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Flußspat“.

FEBRUAR · 2016
Bismut – Schneeberg
Das Februarblatt verbindet Bismut mit einer Aufnahme aus der Grube St. Wolfgang Maaßner Treibeschacht bei Schneeberg. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Schneeberg. Zwei Bergleute stehen zwischen den massiven Mauerungen des Grubenbaus. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Wismut“.

MÄRZ · 2016
Uraninit – Niederpöbel (Osterzgebirge)
Das Märzblatt verbindet Uraninit mit einer Aufnahme aus der Grube Perl-Schacht bei Niederpöbel (Osterzgebirge). Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Sächsisches Erzgebirge. Hölzerne Einbauten stehen vor der strukturierten Gesteinsfläche. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Pechblende, Schwarze Bech-Blende“.

APRIL · 2016
Schörl – Zschorlau
Das Aprilblatt verbindet Schörl mit einer Aufnahme aus der Grube St. Anna am Freudenstein bei Zschorlau. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Zschorlau, sächsisches und böhmisches Erzgebirge. Eine schmale Öffnung durchzieht den unregelmäßig aufgefahrenen Felsraum.

MAI · 2016
Pyromorphit – Zschopau
Das Maiblatt verbindet Pyromorphit mit einer Aufnahme aus der Grube Heiligen Dreifaltigkeit bei Zschopau. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Zschopau. Das Bild zeigt wassergefüllte Bereiche zwischen hölzernen Einbauten. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Grünbleierz“.

JUNI · 2016
Freieslebenit – Freiberg
Das Juniblatt verbindet Freieslebenit mit einer Aufnahme aus der Grube Himmelfahrt Fundgrube bei Freiberg. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Brand-Erbisdorf und Kleinvoigtsberg. Der Blick führt entlang der Gesteinsflächen in einen engen Grubenraum. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Schilfglaserz, Antimonglanz, Schilfglanz“.

JULI · 2016
Zeunerit – Schneeberg-Neustädtel
Das Juliblatt verbindet Zeunerit mit einer Aufnahme aus der Grube Weißer Hirsch Fundgrube bei Schneeberg-Neustädtel. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Schneeberg-Neustädtel. Eine gemauerte Strecke und ein Bergmann führen den Blick in die Tiefe.

AUGUST · 2016
Kermesit – Bräunsdorf
Das Augustblatt verbindet Kermesit mit einer Aufnahme aus der Grube Kühschacht Fundgrube bei Bräunsdorf. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Bräunsdorf. Ein Bergmann gibt den steil einfallenden Gesteinsflächen einen Maßstab. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Rotes Spiesglaserz“.

SEPTEMBER · 2016
Erythrin – Schneeberg-Neustädtel
Das Septemberblatt verbindet Erythrin mit einer Aufnahme aus der Grube Griefner Stolln bei Schneeberg-Neustädtel. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender (Schneeberg-)Neustädtel. Gemauerte Bögen und Einbauten prägen die untertägige Aufnahme. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Kobaltblüte“.

OKTOBER · 2016
Annabergit – Königswalde
Das Oktoberblatt verbindet Annabergit mit einer Aufnahme aus der Grube St. Briccius bei Königswalde. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Frohnau. Das Foto zeigt einen engen, farbig beleuchteten Grubenraum. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Nickelblüte, Nickelocker“.

NOVEMBER · 2016
Argyrodit – Brand-Erbisdorf
Das Novemberblatt verbindet Argyrodit mit einer Aufnahme aus der Grube Himmelsfürst Fundgrube bei Brand-Erbisdorf. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender (Brand-)Erbisdorf. Hölzerne Einbauten und geneigte Gesteinsflächen bestimmen die Aufnahme. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Plusinglanz“.

DEZEMBER · 2016
Pitticit – Großvoigtsberg
Das Dezemberblatt verbindet Pitticit mit einer Aufnahme aus der Grube Christbescherung Erbstolln bei Großvoigtsberg. Als Typlokalität des Minerals nennt der Originalkalender Großvoigtsberg. Holzeinbauten führen in den von unregelmäßigen Felswänden begrenzten Grubenraum. Als frühere Mineralbezeichnung überliefert der Kalender „Eisenpecherz“.

ERLÄUTERUNGEN · 2016
Mineralangaben, Aufnahmeorte und Impressum
Die Rückseite führt Titel, Vorblatt und zwölf Monatsmotive in einer kompakten Übersicht zusammen. Die Spalten unterscheiden Angaben zur Erstbeschreibung und Typlokalität, zur abgebildeten Mineralstufe und zum Aufnahmeort im Bergwerk. Im unteren Bereich stehen das ursprüngliche Kalenderimpressum, die Angaben zur Ausgabe und der Dank für die Unterstützung.