BERGBAUKALENDER · SACHSEN
Das deutsche Erzgebirge.
Landschaft, Bergbau und Tradition.
Von bewaldeten Höhen und Bergwiesen bis zu historischen Bergstädten und lebendiger Holzkunst: Das deutsche Erzgebirge ist eine Landschaft mit vielen Gesichtern. Es liegt im Süden Sachsens und ist Teil des deutsch-tschechischen Mittelgebirges Erzgebirge/Krušné hory. Seine Geschichte verbindet Menschen, Orte und Traditionen auf beiden Seiten der Grenze.
Hier entdecken Sie die sächsische Seite: ihre Landschaft und Bergbaugeschichte, ihre Städte, Kultur und Wirtschaft – und Ideen für eigene Ausflüge.
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Recherche- und Redaktionsstand: November 2026. Gebietsangaben und Zahlen beziehen sich auf die jeweils genannte Abgrenzung.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
Sachsen auf einen Blick
- Lage: im Süden des Freistaates Sachsen, an der Grenze zu Tschechien.
- Höchster Berg auf deutscher Seite: Fichtelberg bei Oberwiesenthal, 1.215 Meter.
- Höchster Berg des gesamten Erzgebirges: Klínovec/Keilberg in Tschechien, 1.244 Meter.
- Bergbaugeschichte: 1168 gilt als traditionelles Anfangsjahr des mittelalterlichen Freiberger Silberbergbaus.
- Montanregion als UNESCO-Welterbe: seit 2019; 22 Bestandteile insgesamt, davon 17 in Sachsen und fünf in Tschechien.
- Gebiet: Das deutsche Erzgebirge ist eine Landschaft und Kulturregion und nicht mit dem Erzgebirgskreis als Landkreis identisch.
Quellen: Regionalmanagement Erzgebirge: Geografie; Deutsche UNESCO-Kommission: Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
EINE LANDSCHAFT · VIELE GRENZEN
Wo liegt das deutsche Erzgebirge?
Das deutsche Erzgebirge liegt im Süden Sachsens. Im Westen geht die Landschaft in den Raum des Vogtlandes über, im Osten schließen sich Landschaften des Elbsandsteingebirges an. Die deutsch-tschechische Grenze verläuft nahe am Gebirgskamm. Dabei folgt sie dem Kamm nicht überall exakt; jenseits der Grenze setzt sich das Gebirge als tschechisches Krušné hory fort.
Das Regionalmanagement Erzgebirge nennt vier sächsische Landkreise, die von der Erzgebirgsregion berührt werden: Zwickau, den Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Nicht jede Gemeinde dieser Landkreise liegt im Erzgebirge. Landschaftliche, kulturelle und administrative Grenzen sind nicht deckungsgleich.
Für seine abgegrenzte sächsische Erzgebirgsregion nennt das Regionalmanagement rund 3.659 Quadratkilometer Fläche. Andere Abgrenzungen können zu anderen Werten führen; diese Zahl ist weder die Fläche des Erzgebirgskreises noch die Fläche des ganzen deutsch-tschechischen Gebirges.
Quelle: Regionalmanagement Erzgebirge: Geografie und Gebietsgrenzen.

HÖHEN UND TÄLER
Berge, Wälder und Täler
Auf sächsischer Seite steigt das Erzgebirge über weite Strecken allmählich zum Kamm an; auf böhmischer Seite fällt es steiler zum Egertal ab. Diese asymmetrische Form wird als Pultscholle beschrieben. Bäche und Flüsse haben tiefe Täler in die Hochflächen eingeschnitten. Waldlandschaften, Bergwiesen und Moore prägen unterschiedliche Höhenlagen.
Mit 1.215 Metern ist der Fichtelberg bei Oberwiesenthal die höchste Erhebung auf deutscher Seite und zugleich Sachsens höchster Berg. Der 1.244 Meter hohe Keilberg/Klínovec liegt in Tschechien und ist der höchste Gipfel des gesamten Erzgebirges.
Der sächsische Teil wird häufig in West-, Mittel- und Osterzgebirge gegliedert. Zu markanten Erhebungen zählen neben dem Fichtelberg etwa der Auersberg und die Basaltkuppen Scheibenberg, Pöhlberg und Bärenstein. Ihre unterschiedlichen Formen zeigen, wie vielfältig die Geologie der Region ist.
Quellen: Regionalmanagement Erzgebirge: Geografie; Naturpark Erzgebirge/Vogtland: Naturraum im Erzgebirgskreis; Geologie Sachsen: Basalt am Scheibenberg.

DAS MONTANE ERBE
Silber, Zinn und das Berggeschrey
Die Geschichte des sächsischen Erzgebirges ist eng mit dem Bergbau verbunden. Für den Silberbergbau bei Christiansdorf, im Bereich des heutigen Freiberg, gilt 1168 als traditionelles Anfangsjahr. Die Kunde von den Funden zog Bergleute, Handwerker und Händler an. Die Nachricht von reichen Vorkommen und der anschließende Zustrom werden als Berggeschrey bezeichnet.
Neue Silberfunde lösten im ausgehenden 15. Jahrhundert einen weiteren Aufschwung aus. Schneeberg und das Gebiet am Schreckenberg bei Annaberg gehörten zu den bedeutenden Revieren. Neben Silber wurden unter anderem Zinn, Eisen und Kobalt gewonnen. Gruben, Hütten, Halden und Wasseranlagen veränderten die Landschaft.
Im 20. Jahrhundert prägte der Uranbergbau der Wismut Teile der Region. Auf die Zeit der Förderung folgten Stilllegung und Sanierung. Besucherbergwerke, Sanierungsbetriebe und mögliche neue Rohstoffprojekte sind unterschiedliche Formen der heutigen Nutzung und dürfen nicht pauschal als aktiver Erzabbau gleichgesetzt werden.

ORTE MIT GESCHICHTE
Bergstädte und Orte entdecken
Freiberg, Annaberg-Buchholz, Schneeberg und Marienberg stehen exemplarisch für unterschiedliche Kapitel der Bergbaugeschichte. Freiberg ist mit dem frühen Silberbergbau und den Montanwissenschaften verbunden. Annaberg entwickelte sich im Zusammenhang mit den Silberfunden am Schreckenberg. Marienberg entstand als planmäßig angelegte Bergstadt; Schneeberg ist unter anderem für seine Silber- und Kobaltgeschichte bekannt.
Auch abseits der Bergstädte lohnt sich der Blick auf die Vielfalt der Orte: Oberwiesenthal liegt am Fichtelberg, Seiffen ist eng mit erzgebirgischer Holzkunst verbunden und Altenberg mit dem Zinnbergbau. Jeder Ort hat seine eigene Geschichte.
Mehr über bedeutende Bergstädte erfahren
Quellen: Welterbe Montanregion: Bergbaugeschichte; Tourismusverband Erzgebirge: Berg- und Spielzeugdorf Seiffen.
GRENZENLOSES ERBE · SEIT 2019
UNESCO-Welterbe auf sächsischer Seite
Die grenzüberschreitende Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří steht seit 2019 auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Welterbestätte besteht aus 22 ausgewählten Bestandteilen: 17 liegen in Sachsen, fünf in Tschechien. Dazu zählen unter anderem Bergbaulandschaften, historische Stadtbereiche und Anlagen der Wasserwirtschaft.
Gemeinsam erzählen sie von Erzgewinnung, technischer Entwicklung, Verwaltung und Wissensaustausch. Die Auszeichnung gilt den ausgewählten Bestandteilen der Welterbestätte; nicht jeder Ort im Erzgebirge gehört automatisch dazu.
Quellen: Deutsche UNESCO-Kommission: Montanregion; UNESCO World Heritage Centre: Erzgebirge/Krušnohoří Mining Region.
HANDWERK UND BRAUCHTUM
Holzkunst, Weihnachten und Bergparaden
Schwibbögen, Weihnachtspyramiden, Räuchermänner, Nussknacker und geschnitzte oder gedrechselte Figuren gehören zur vielfältigen erzgebirgischen Handwerkskunst. Seiffen ist besonders für die Herstellung von Holzspielzeug und Weihnachtsartikeln bekannt; die Seiffener Bergkirche erscheint auch als Motiv in der Holzkunst.
Viele Traditionen stehen in Beziehung zum Bergbau, haben sich aber über lange Zeit unterschiedlich entwickelt. Bergparaden und Bergaufzüge halten bergmännische Traditionen mit Musik und Festkleidung lebendig. „Glück auf!“ ist der traditionelle Bergmannsgruß, der in der Region weiterverwendet wird.
Die Geschichte des Schwibbogens entdecken
Quellen: Tourismusverband Erzgebirge: Berg- und Spielzeugdorf Seiffen; Tourismusverband Erzgebirge: Bergparaden und Bergaufzüge; Deutsche UNESCO-Kommission: Montanregion.

LEBEN UND ARBEITEN
Wirtschaft, Handwerk und Wissen
Die Wirtschaft des Erzgebirges umfasst heute Industrie, Handwerk, Dienstleistungen und Tourismus. Das Regionalmanagement nennt unter anderem Metallverarbeitung, Maschinenbau, Automobilzulieferung, Elektronik und Elektrotechnik als wichtige Arbeitsfelder. Auch die Holzkunst wird von Werkstätten und Unternehmen in der Region weitergeführt.
Ein wichtiger wissenschaftlicher Ort ist Freiberg: Die Bergakademie wurde 1765 gegründet. Hier wurden Indium 1863 und Germanium 1886 entdeckt. Die heutige TU Bergakademie Freiberg verbindet Forschung und Lehre unter anderem zu Rohstoffen, Materialien und Energie mit einer langen montanwissenschaftlichen Tradition.
Quellen: Regionalmanagement Erzgebirge: Wirtschaft; TU Bergakademie Freiberg: Meilensteine der Geschichte.
DIE REGION ERLEBEN
Das deutsche Erzgebirge erleben
Besucherbergwerke ermöglichen Einblicke in die Arbeit unter Tage; Museen und historische Anlagen erzählen von der Technik über Tage. Wer sich für Architektur interessiert, kann Bergstädte und ihre Kirchen, Marktplätze und Altstädte erkunden.
Zum Wandern laden Wege zwischen Hochflächen, Flusstälern und Gipfeln ein. Der Kammweg Erzgebirge–Vogtland verbindet das Osterzgebirge mit dem Vogtland und führt bis nach Thüringen. Die Fichtelbergbahn verkehrt zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal; ihre Dampflokomotiven gehören zu den bekannten Eisenbahnerlebnissen der Region.
Im Winter bieten sich je nach Wetter und Bedingungen Wintersport und Winterwanderungen an; in der Adventszeit locken unter anderem Weihnachtsmärkte und Bergparaden. Für eine konkrete Reise sollten aktuelle Öffnungszeiten, Fahrpläne, Termine und Wegeinformationen direkt bei den jeweiligen Betreibern geprüft werden.
Quellen: Tourismusverband Erzgebirge: Besucherbergwerke; Tourismusverband Erzgebirge: Kammweg; Tourismusverband Erzgebirge: Kammweg-Etappe am Fichtelberg; Fichtelbergbahn: Strecke.
WISSENSWERTES
Häufige Fragen
In welchem Bundesland liegt das deutsche Erzgebirge?
Der deutsche Teil des Erzgebirges liegt im Freistaat Sachsen. Das Gebirge setzt sich südlich der Grenze in Tschechien fort.
Wie hoch ist der höchste Berg auf deutscher Seite?
Der Fichtelberg ist 1.215 Meter hoch. Der höchste Berg des gesamten deutsch-tschechischen Erzgebirges ist der 1.244 Meter hohe Klínovec/Keilberg in Tschechien.
Ist der Erzgebirgskreis das gesamte deutsche Erzgebirge?
Nein. Der Erzgebirgskreis ist ein sächsischer Landkreis. Die Erzgebirgsregion reicht auf deutscher Seite über seine Grenzen hinaus.
Gehört das ganze deutsche Erzgebirge zum UNESCO-Welterbe?
Nein. Die Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří umfasst ausgewählte Bestandteile; 17 davon liegen in Sachsen.
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