BERGBAUKALENDER · BÖHMEN
Das tschechische Erzgebirge.
Krušné hory. Berge, Bergstädte und Geschichten.
Auf der böhmischen Seite des Erzgebirges führen Hochflächen und Wälder zu Bergstädten, alten Zinnrevieren und Spuren des Silber- und Uranbergbaus. Das tschechische Erzgebirge heißt Krušné hory. Es ist Teil derselben Gebirgslandschaft wie das sächsische Erzgebirge und hat doch seine eigenen Orte, Erfahrungen und Traditionen.
Hier entdecken Sie die Region zwischen Jáchymov, Boží Dar und Krupka: vom höchsten Gipfel des Gebirges über die grenzüberschreitende Montangeschichte bis zu Ausflugsideen und Erinnerungsorten.
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Recherche- und Redaktionsstand: November 2026. Ortsnamen werden zunächst in ihrer heutigen tschechischen Form genannt; historische deutsche Namen ergänzen die Einordnung.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
Böhmen auf einen Blick
- Name: Auf Tschechisch heißt das Erzgebirge Krušné hory.
- Lage: Der tschechische Teil liegt im Nordwesten Tschechiens an der Grenze zu Sachsen.
- Höchster Berg: Der Klínovec/Keilberg ist 1.244 Meter hoch und der höchste Gipfel des gesamten Erzgebirges.
- Bekannte Bergstädte: Jáchymov (Joachimsthal), Horní Blatná (Bergstadt Platten) und Krupka (Graupen).
- Bergbau: Unter anderem Silber, Zinn, Eisen, Kupfer und Uran prägten verschiedene Reviere und Epochen.
- UNESCO-Welterbe: Die 2019 eingeschriebene Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří umfasst 22 Bestandteile, davon fünf in Tschechien.
Quellen: Stadt Boží Dar: Klínovec; Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří; Montanregion Krušné hory: Bergbaulandschaft Jáchymov.
EINE LANDSCHAFT · ZWEI LÄNDER
Wo liegt das tschechische Erzgebirge?
Das Erzgebirge erstreckt sich entlang der deutsch-tschechischen Grenze. Der böhmische Teil liegt auf der tschechischen Seite im Nordwesten des Landes. Während die sächsische Nordabdachung über weite Strecken allmählich zum Kamm ansteigt, fällt das Gebirge auf böhmischer Seite deutlich steiler zum Egertal und zu den Beckenlandschaften ab. Diese asymmetrische Gebirgsform wird als Pultscholle beschrieben.
Die Staatsgrenze verläuft nahe der Kammlinie, folgt ihr aber nicht überall genau. Die Erzgebirgsregion berührt auf tschechischer Seite die Verwaltungsbezirke Karlovarský kraj und Ústecký kraj. Beide Bezirke umfassen auch Gebiete außerhalb des Erzgebirges. Für Flächen- oder Bevölkerungszahlen ist daher entscheidend, welches Gebiet genau gemeint ist.
Quellen: Regionalmanagement Erzgebirge: Geografie; Welterbe Montanregion: fünf tschechische Bestandteile.

HÖHEN UND MOORE
Klínovec, Hochflächen und Moore
Mit 1.244 Metern ist der Klínovec, deutsch Keilberg, der höchste Berg des gesamten Erzgebirges. Er liegt in Tschechien nahe der Grenze; der Fichtelberg auf sächsischer Seite erreicht 1.215 Meter. Beide Gipfel zeigen, wie eng die Landschaften über die Staatsgrenze hinweg verbunden sind.
Neben bewaldeten Hängen prägen offene Höhenlagen, Wiesen und empfindliche Moore den böhmischen Teil. Ein Beispiel ist das Božídarské rašeliniště, das Gottesgaber Torfmoor bei Boží Dar. Ein Lehrpfad führt durch einen Teil des nationalen Naturschutzgebietes und informiert über Natur, Torf und die Geschichte der Region. Wege und Schutzregeln helfen, den empfindlichen Lebensraum zu bewahren.
Die Höhenlagen bieten zu verschiedenen Jahreszeiten Möglichkeiten zum Wandern und für Wintersport. Wetter, Zugänglichkeit und Betriebszeiten ändern sich; für konkrete Ausflüge sollten aktuelle Hinweise der örtlichen Betreiber geprüft werden.
Quellen: Stadt Boží Dar: Klínovec; Stadt Boží Dar: Lehrpfad Gottesgaber Torfmoor; Regionalmanagement Erzgebirge: Geografie.

DAS MONTANE ERBE
Silber, Zinn und eine grenzüberschreitende Bergbaugeschichte
Das Erzgebirge ist eine durch Rohstoffgewinnung geprägte Landschaft. Auf böhmischer Seite entstanden Bergstädte und Reviere, in denen zu unterschiedlichen Zeiten Silber, Zinn, Eisen, Kupfer und weitere Erze gewonnen wurden. Bergleute brauchten Wasser, Holz, Transportwege und Hütten. Ihre Arbeit hinterließ Stollen, Halden, Wassergräben und Siedlungen.
Neue Silberfunde führten im späten 15. und im 16. Jahrhundert auf beiden Seiten des Gebirges zu einem Aufschwung. Nach früheren Erkundungen führten reiche Silberfunde 1516 im Raum Jáchymov zu starkem Zuzug. In den Zinnrevieren bei Horní Blatná und Krupka lässt sich eine andere Seite des erzgebirgischen Bergbaus erkunden. Wissen, Menschen und Techniken waren über die heutigen Grenzen hinweg miteinander verbunden.
Die Geschichte des Bergbaus im Erzgebirge weiterlesen
Quellen: Welterbe Montanregion: Bergbaugeschichte; Welterbe Montanregion: Fundgrübner-Stolln; Montanregion Krušné hory: Krupka.

ORTE MIT GESCHICHTE
Jáchymov, Horní Blatná und Krupka
Jáchymov: Silberstadt und Ursprung des Talers
Jáchymov, historisch St. Joachimsthal, wurde durch den Silberbergbau zu einer bedeutenden Bergstadt. Aus ihrem Silber wurden ab 1520 große Mengen von Münzen geprägt. Der Name des Joachimsthalers wirkte über den Begriff „Taler“ bis zum Wort „Dollar“ weiter. Zu den Zeugnissen der Region gehören historische Stadtbereiche, Halden, Gruben und Einrichtungen der Wasserwirtschaft.
Horní Blatná und Boží Dar: Zinn in den Höhenlagen
Die planmäßig angelegte Bergstadt Horní Blatná entstand im 16. Jahrhundert in einem Zinnrevier. Die Umgebung von Boží Dar, historisch Gottesgab, bewahrt Spuren des Zinnseifens: Dabei wurde Zinnstein aus abgelagertem Material ausgewaschen. Der Plattner Kunstgraben führte Wasser zu Bergwerken und Aufbereitungsanlagen und zeigt, wie wichtig eine geregelte Wasserversorgung war.
Krupka: eine alte Zinnbergbaulandschaft
Krupka, historisch Graupen, liegt im östlichen böhmischen Erzgebirge. Stadt und Umgebung zeugen vom Zinnbergbau über viele Jahrhunderte. Übertägige Abbauspuren, Schächte und Stollen zeigen unterschiedliche Gewinnungsmethoden; auch die Altstadt ist eng mit dieser Geschichte verbunden.
Mehr über bedeutende Bergstädte des Erzgebirges erfahren
Quellen: Montanregion Krušné hory: Jáchymov; Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná; Plattner Kunstgraben; Krupka.
GRENZENLOSES ERBE · SEIT 2019
Fünf tschechische Bestandteile des UNESCO-Welterbes
Seit 2019 steht die grenzüberschreitende Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří auf der Welterbeliste. Sie ist eine gemeinsame Welterbestätte mit 22 ausgewählten Bestandteilen: 17 liegen in Sachsen und fünf in Tschechien. Die fünf tschechischen Bestandteile sind:
- Bergbaulandschaft Jáchymov – Stadt und Landschaft mit Zeugnissen verschiedener Bergbauepochen.
- Bergbaulandschaft Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná – unter anderem Zinnreviere, Seifen und der Plattner Kunstgraben.
- Roter Turm des Todes bei Ostrov – erhaltene Uranerzaufbereitungsanlage und Erinnerungsort.
- Bergbaulandschaft Krupka – Bergstadt und Spuren des Zinnbergbaus.
- Bergbaulandschaft Mědník bei Měděnec – Zeugnisse unter anderem des Eisen- und Kupfererzbergbaus.
Die Auszeichnung gilt diesen ausgewählten Bestandteilen. Nicht jeder Ort und nicht jedes Bergwerk im tschechischen Erzgebirge ist automatisch Teil der Welterbestätte.
Mehr über die gemeinsame Montanregion erfahren
Quellen: Montanregion Krušné hory: Managementplan, Liste der Bestandteile; Deutsche UNESCO-Kommission: Montanregion; Montanregion Krušné hory: Mědník.
ERINNERUNG UND VERANTWORTUNG
Uranbergbau und Erinnerung
Die Geschichte der Region umfasst auch Leid und politische Gewalt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden deutsche Bewohnerinnen und Bewohner aus dem böhmischen Erzgebirge vertrieben oder ausgesiedelt; zugleich kamen neue Bewohner aus anderen Teilen der Tschechoslowakei. Der Uranbergbau um Jáchymov gewann in der Nachkriegszeit strategische Bedeutung. In den 1950er Jahren mussten auch politische Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen für die Uranindustrie arbeiten.
Der Rote Turm des Todes bei Ostrov erinnert an die Uranerzaufbereitung und an das Schicksal der Häftlinge. Er ist ein Ort des Gedenkens und einer der fünf tschechischen Welterbe-Bestandteile. Wer den Ort besuchen möchte, sollte die Zugangsmöglichkeiten vorab bei der zuständigen Einrichtung prüfen.
Quellen: Welterbe Montanregion: Bergbaugeschichte und Nachkriegszeit; Montanregion Krušné hory: Der Rote Turm des Todes.
LEBENDIGE KULTUR
Tradition und Gegenwart
Der Bergmannsgruß „Zdař Bůh“ ist das tschechische Gegenstück zum deutschen „Glück auf“. Er erinnert an den gemeinsamen Bergbauwortschatz der Region. Heute halten Vereine, Museen und Einrichtungen die Erinnerung an die Arbeit der Bergleute wach und vermitteln sie an Besucher und nachfolgende Generationen.
Eine andere Facette zeigt Boží Dar mit seinem Christkindweg: Die Gemeinde verbindet einen Familienausflug mit der tschechischen Vorstellung vom Christkind. Solche Angebote gehören zum heutigen Leben in der Region und haben einen anderen Charakter als die historischen Bergbaudenkmale.
Quellen: Montanregion Krušné hory: zweisprachiges Bergbau-Glossar; Stadt Boží Dar: Christkindweg.

DIE REGION ERLEBEN
Das tschechische Erzgebirge erleben
Wer die Region besucht, kann Natur und Montangeschichte miteinander verbinden. Auf Wegen bei Boží Dar erzählen das Gottesgaber Torfmoor und der Plattner Kunstgraben von Landschaft, Wassernutzung und Bergbau. In und um Horní Blatná sind frühere Zinnreviere Teil der Kulturlandschaft; Jáchymov und Krupka laden dazu ein, Stadtgeschichte und montane Spuren kennenzulernen.
Einige Besucherbergwerke und Lehrpfade erschließen die Geschichte vor Ort. Bergbauanlagen sind jedoch nicht alle frei oder ganzjährig zugänglich. Öffnungszeiten, Sprache der Führungen, Ausrüstung und Wegebedingungen sollten unmittelbar vor dem Besuch bei den jeweiligen Einrichtungen geprüft werden. Im Moor gilt: auf den markierten Wegen bleiben.
Quellen und praktische Hinweise: Stadt Boží Dar: Lehrpfade; Montanregion Krušné hory: Bergbaulandschaft Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná; Montanregion Krušné hory: Krupka.
WISSENSWERTES
Häufige Fragen
Wie heißt das Erzgebirge auf Tschechisch?
Der tschechische Name lautet Krušné hory.
Welcher Berg ist der höchste im Erzgebirge?
Der Klínovec/Keilberg in Tschechien ist mit 1.244 Metern der höchste Gipfel des gesamten Gebirges. Der Fichtelberg ist mit 1.215 Metern der höchste auf deutscher Seite.
Wie viele Welterbe-Bestandteile liegen in Tschechien?
Fünf der 22 Bestandteile der gemeinsamen Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří liegen in Tschechien. Die übrigen 17 liegen in Sachsen.
Warum stehen bei manchen Orten zwei Namen?
Die heutigen amtlichen tschechischen Namen werden zuerst genannt. Historische deutsche Namen helfen beim Verständnis älterer Quellen und der gemeinsamen Geschichte.
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