KALENDERARCHIV / 2007
Bergbaukalender 2007 – Bergbauliche Vermessung
Der 14. Original Sächsische Bergbaukalender verbindet Bergbauorte des Erzgebirges mit historischen Vermessungsinstrumenten, Rissen und Schriften. Untertageaufnahmen, Meridiansteine und erhaltene bergbauliche Anlagen zeigen die Vermessung im Zusammenhang mit den Gruben.
Das Archiv zeigt Titelblatt, Vorblatt, zwölf Monatsblätter und die Erläuterungsseite. Dr. Karl-Heinz Löbels vollständiger Einführungstext ist zusätzlich als lesbarer Text enthalten.
14. Ausgabe · 15 Kalenderblätter · Fotografien: Jens Kugler · Gestaltung: René König / Moxxo

TITELBLATT · 2007
Carl Haidinger Stolln und Hängekompass – Schwarzenberg
Das Titelblatt verbindet den Carl Haidinger Stolln bei Schwarzenberg mit einem Hängekompass „RÖSLER’scher Bauart“ aus dem 18. Jahrhundert. Untertageaufnahme und historisches Vermessungsinstrument eröffnen das Thema „Bergbauliche Vermessung“.

VORSATZ · 2007
Caspar von Schönberg mit Gradbogen
Das Vorblatt zeigt Caspar von Schönberg (1621–1676) mit dem Gradbogen von Elias Eichler aus dem Jahr 1670. Die Originalbeschreibung nennt „Bottschild?“ mit einem Fragezeichen. Der Bildnachweis verweist auf die Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg. Unter dem Porträt steht Dr. Karl-Heinz Löbels vollständiger Einführungstext, der anschließend lesbar wiedergegeben wird.
Originaltext von Dr. Karl-Heinz Löbel. Zeitbezogene Angaben entsprechen der Ausgabe 2007.
Bergbauliche Vermessung – im Mittelalter die Markscheidekunst – hat ihre Wurzeln bereits in der Antike. Die Auffahrung des Hiskia-Tunnels etwa 700 v. Chr., der eine Verbindung zwischen der Gihon-Quelle und dem Siloah-Teich in Jerusalem schuf, wurde im so genannten Gegenortbetrieb aufgefahren. Dies war ohne entsprechende vermessungstechnische Grundlagen nicht möglich.
Die ältesten bekannten Dokumente einer markeschede, markschede oder marchscede gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück. In anderer Literatur finden wir auch weitere Termini wie z. B. Fronbote (Goslarer Bergrecht) oder Schiner (Schwazer Bergbuch 1556).
Georgius Agricola würdigt das Fach in seinem Werk „De Re Metallica Libri XII (1556)“, in dem er im fünften Buche schreibt: „Nachdem ich den ersten Teil dieses Buches vollendet habe, komme ich nun zu dem zweiten, in dem ich die Markscheidekunst behandeln werde.“
Als ältestes Lehrbuch, welches sich ausschließlich mit der „Bergbaulichen Vermessung“ beschäftigt stammt aus dem Jahre 1574. Erasmus Reinhold überschreibt sein Buch mit: „Gründlicher und warer Bericht vom Feldmessen sampt allem was dem anhengig. Darin alle irthumb / so biß daher im Messen fürgeloffen / entdeckt werden. Desgleichen Vom Marscheiden kurzer und gründlicher unterricht.“ Von den dort vorgestellten Werkzeugen des Bergvermessers mit dem Kompass, der Wasserwaage, dem Quadranten und dem Gradbogen bis in unsere heutige Zeit mit Vermessungskreisel, servogetriebenen Totalstationen, GPS, 3-D Laser-Scannern, digitalen Präzisionsnivellieren, ... hat sich an der instrumentellen Ausrüstung und damit den angewendeten Verfahren natürlich vieles verändert.
Die Sammlung historischer Vermessungsinstrumente am Institut für Markscheidewesen und Geodäsie der TU Bergakademie Freiberg bezeugt mit einer Vielzahl an Exponaten diese imposante Entwicklung. Sie steht interessierten Besuchern nach vorheriger Anmeldung für eine Besichtigung zur Verfügung.

JANUAR · 2007
Himmelfahrt Fundgrube – Freiberg
Freiberg, Himmelfahrt Fundgrube: Vermessungsübung mit einem Theodolit. Dazu zeigt das Blatt Julius Weisbachs „Die neue Markscheidekunst und ihre Anwendung auf die Anlage des Rothschönberger Stollens …“, Band 1, Braunschweig 1851, aus dem Wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg (Signatur II. 1069 a). Das Instrument ist ein Einheitstheodolit Nr. 2410 von Hildebrand, Freiberg, um 1900.

FEBRUAR · 2007
Hüttenstolln – Geyer
Geyer, Hüttenstolln: Die Untertageaufnahme wird mit der „Geometria subterranea“ eines ungenannten Verfassers, um 1670, kombiniert. Die Handschrift stammt aus dem Wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg (Signatur XVII. 11, Seite 104). Das abgebildete Instrument ist ein Gradbogen aus dem 18. Jahrhundert.

MÄRZ · 2007
Griefner Stolln und Meridianstein – Schneeberg
Schneeberg, Griefner Stolln, und der Meridianstein von 1838 bei der Grube Gesellschaft. Das Instrument ist ein Triangulationstheodolit von Lingke mit einem Fernrohr von Fraunhofer, München, um 1850. Die Originalbeschreibung stellt den Bezug zur Triangulation für die Auffahrung des Rothschönberger Stollens durch Julius Ludwig Weisbach her.

APRIL · 2007
Christbescherung – Großvoigtsberg
Großvoigtsberg, Christbescherung: Aufschlagrösche zum Neuen Kunst- und Treibeschacht. Die historische Schrift ist Sebastian Spans „Geometriae …“ vom Ende des 17. Jahrhunderts, Universitätsbibliothek Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand (Signatur XVII. 14). Dazu zeigt das Blatt eine Rutenkette: eine sächsische Feldmesserrute zu 3 mal 4,295 Metern.

MAI · 2007
6. Lichtloch des Rothschönberger Stollns – Krummenhennersdorf
Krummenhennersdorf, 6. Lichtloch des Rothschönberger Stollns, mit Meridianstein. Julius Weisbachs „Die neue Markscheidekunst und ihre Anwendung auf die Anlage des Rothschönberger Stollens …“, Band 1, Braunschweig 1851, stammt aus der Universitätsbibliothek Freiberg (Signatur II. 1069 a). Der Bussolentheodolit von Lingke mit separatem Dreifuß, um 1850, entstand laut Originalbeschreibung vermutlich auf Anregung von Julius Ludwig Weisbach.

JUNI · 2007
Röhrgraben – Ehrenfriedersdorf
Ehrenfriedersdorf, Röhrgraben, mit Pochwerksresten. Das Blatt zeigt Johann Friedrich Wilhelm Charpentiers „Mineralogische Geographie der Chursächsischen Lande“, Leipzig 1778, aus dem Wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg (Signatur IX 286 a). Das Nivellierinstrument mit Luftblasenniveau stammt aus dem 18. Jahrhundert.

JULI · 2007
Thelersberger Stolln – Brand-Erbisdorf
Brand-Erbisdorf, Thelersberger Stolln: Markscheidetafel zwischen Gelobt Land und St. Donat. Der historische Riss von Johann Carl Friedrich Freiesleben trägt die Bezeichnung „Grundriß Tiefer Fürstenstolln … Thelersberger Stolln“, Universitätsbibliothek Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand (Signatur XVIII. 936). Dazu wird ein Setzkompass mit einer 2-mal-12-Stunden-Teilung aus dem 18. Jahrhundert gezeigt.

AUGUST · 2007
Alter Stollnschacht bei St. Merten – Brand-Erbisdorf
Brand-Erbisdorf, alter Stollnschacht bei St. Merten. Die Buchabbildung stammt aus Georgius Agricolas „De re metallica“ (1556/1953), Universitätsbibliothek Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand (Signatur I. 209). Das Instrument ist ein Schnurlot von Hildebrand, Freiberg, um 1900.

SEPTEMBER · 2007
Lorenz Gegentrumer Stolln – Halsbrücke
Halsbrücke, Lorenz Gegentrumer Stolln: Durchschlagspunkt zwischen dem ersten Lichtloch und dem steinernen Schacht. Die historische Darstellung stammt aus Eduard Heuchlers „Album für die Freunde des Bergbaus“, Freiberg 1851, Universitätsbibliothek Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand (Signatur 8°1616). Das Vermessungsinstrument ist eine Kippregel von Georg Friedrich Brander (1713–1783), Augsburg.

OKTOBER · 2007
Segen Gottes Erbstolln – Gersdorf
Gersdorf, Segen Gottes Erbstolln, Unterer Krebsteich. Das Blatt zeigt Andreas Böhms „Gründliche Anleitung zur Meßkunst auf dem Felde …“, Frankfurt und Leipzig 1759, Universitätsbibliothek Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand (Signatur II. 394). Dazu ist eine Kanalwaage aus dem 19. Jahrhundert abgebildet.

NOVEMBER · 2007
Rösche vom Roten Graben – Halsbrücke
Halsbrücke, Rösche vom Roten Graben. Der „Grund- und Seigerriß von Lorenz Gegentrum …“ von C. E. Richter aus dem Jahr 1755 stammt aus der Universitätsbibliothek Freiberg, Wissenschaftlicher Altbestand (Signatur XVIII. 1024). Das gezeigte Instrument ist der Theodolit Nr. 1 von Johann Gotthelf Studer (1763–1832).

DEZEMBER · 2007
Christbescherung – Großvoigtsberg
Großvoigtsberg, Christbescherung: alte Aufschlagrösche vom Kunstteich. Die historische Schrift ist die „Chursächsische Bergordnung …“, Dresden 1554, eines ungenannten Verfassers. Sie stammt aus dem Wissenschaftlichen Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg (Signatur XIV. 48).

ERLÄUTERUNGEN · 2007
Bildbeschreibungen und Originalimpressum
Die Erläuterungsseite ordnet die Bergbauorte, historischen Schriften und Vermessungsinstrumente den Kalenderblättern zu. Sie enthält die bibliografischen Angaben der Universitätsbibliothek Freiberg sowie das Originalimpressum mit den Nachweisen zu Sammlung, Fotografien, Vorwort, Gestaltung und Herstellung.